Mönchengladbach: CDU bleibt stärkste Partei im Rat
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 31.08.2009 - 01:01Mönchengladbach (RPO). Ein denkwürdiger Wahlabend bescherte Mönchengladbach nur ein eindeutiges Ergebnis: Norbert Bude (SPD) siegte mit 17 Prozent vor Norbert Post (CDU). Wer im Rat das Sagen hat, ist noch unklar. Den Parteien stehen in den nächsten Tagen komplizierte Koalitionsgespräche bevor.
Es war 19.15 Uhr, als sich der geschlagene CDU-Oberbürgermeisterkandidat Norbert Post im Vorraum des Rheydter Ratssaals suchend umblickte. „Wo ist der Norbert?” Post wollte Norbert Bude zur Wiederwahl gratulieren. Die hatte sich schon bei den ersten eingeblendeten Ergebnissen abgezeichnet und war spätestens um 18.45 Uhr zur Gewissheit geworden. Da erkannte Norbert Post gegenüber RP Online ohne Umschweife an: „Norbert Bude ist durch.”
Doch der mit unerwartet hohem Vorsprung gewählte Norbert Bude kam erst spät zum Bad in der Menge. Er wollte absolut sicher gehen, dass nichts mehr schief gehen konnte. Am Ende lag er, von seinen Parteifreunden im Ratssaal minutenlang bejubelt, satte 17 Prozent vor Norbert Post. Er bekannte: „Damit hatte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet.”
Das hatte auch seine Frau Birgit nicht, wie sie später erzählte. Obwohl sie sich sehr sicher war, dass ihr Mann zum zweiten Mal nach 2004 wieder Oberbürgermeister würde. „Wenn er nach Hause kommt, wartet ein von mir geschriebener Brief mit einer roten Rose auf ihn”, erzählte die komplett rot gekleidete Birgit Bude.
Grund zum Jubeln hatte die SPD auch abgesehen von Budes Traumergebnis. Zwar legte sie mit 2,4 Prozent nicht übermäßig zu, holte aber sensationelle zwölf von 33 Direktmandaten. Darunter Giesenkirchen und Rheydt. Das hatte Folgen für die über die Liste Nachrückenden. Mit Regionalratsmitglied Michael Hildemann, Oliver Büschgens und Gülistan Yüksel sind gleich drei prominente Mitglieder des letzten Rats nicht mehr dabei.
Entsetzte Gesichter gab es bei der CDU. Gleich reihenweise gingen sicher geglaubte Direktwahlkreise verloren: Bezirksvorsteher Frank Boss unterlag in Giesenkirchen. Die als Wahlparty gedachte Veranstaltung in der Eickener Mehrzweckhalle löste sich denn auch schnell auf. Zum Feiern war kaum jemandem zu Mute.
Allerdings fiel das CDU-Ergebnis am Ende des Wahlabends nicht so verheerend aus, wie es zwischenzeitlich ausgesehen hatte. Die Christdemokraten bleiben mit Abstand stärkste Fraktion im Rat. Sie haben sieben Prozent Vorsprung auf die Sozialdemokraten. Doch angesichts eines CDU-Verlusts von mehr als sieben Prozent stellte der Fraktionsvorsitzende Rolf Besten fest: „Das ist eine sehr herbe Niederlage, die wir ganz gründlich analysieren müssen, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.”
Lange Gesichter gab es auch bei der FWG, die von der CDU-Schwäche nicht profitieren konnte und künftig nur noch vier Ratsmitglieder stellt. Und selbst die FDP, die im Moment landauf, landab heftigen Rückenwind verspürt, profitierte nur unwesentlich. Angesichts eines Zuwachses von 1,7 auf jetzt 10,1 Prozent fiel der Jubel bei den Liberalen nicht euphorisch aus.
Ganz anders die Grünen, die sogar noch stärker als die SPD zulegten und mit 11,9 Prozent klar die drittstärkste Kraft sind. „Wir sind die Wahlgewinner. Doch das wichtigste Ergebnis für die Stadt ist, dass CDU und FDP nicht mehr das Sagen in der Stadt haben”, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Karl Sasserath.
Die Linke schaffte mit 4,2 Prozent ein gutes, aber kein überragendes Ergebnis. Das Zentrum landete mit nur gut 1000 Stimmen sogar noch hinter der NPD, die im Vergleich zu 2004 deutlich verlor. Zentrum und NPD sind mit je einem Sitz im neuen Rat vertreten. Die Wahlbeteiligung war mit 45,5 Prozent nur marginal besser als bei der letzten Kommunalwahl und erneut deutlich niedriger als in anderen nordrhein-westfälischen Großstädten.
Tatsächlich gibt es nun nur ein Zweier-Bündnis, das die Stadt regieren kann: eine große Koalition aus CDU und SPD. Noch wollten das gestern weder Christdemokraten noch Sozialdemokraten eindeutig kommentieren. Doch die rein rechnerisch möglichen Dreier-Bündnisse sind mehr als unwahrscheinlich. Zu einem Bündnis aus CDU, FDP und FWG sagte FWG-Fraktionsvorsitzender Erich Oberem: „Ich werde die FDP-Politik mit Sicherheit nicht unterstützen.” Und zur ebenfalls möglichen Ampel aus SPD, Grünen und FDP sagte die FDP-Fraktionsvorsitzende Nicole Finger: „Eine Zusammenarbeit mit Herrn Sasserath ist für mich persönlich nur sehr schwer vorstellbar.”
Solche Rechenspiele mochten der alte und neue SPD-Oberbürgermeister Norbert Bude und der Landtagskandidat Hans-Willi Körfges erst mal außen vorlassen. Nachdem sie im Rat gemeinsam ein Freudentänzchen aufgeführt hatten, waren sich die beiden einig: „Heute Abend gehen wir erst mal kräftig einen trinken.”
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