Mönchengladbach: CDU fahndet nach Abweichler
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 03.01.2008 - 09:35Mönchengladbach (RPO). In Einzelgesprächen wollen die Verantwortlichen herauszufinden, wer im Rat gegen die Reduzierung der Bezirke stimmte. Outet sich der große Unbekannte nicht, ist das Risiko groß, im Februar erneut abstimmen zu lassen.
Norbert Post hat es umgehauen. Nicht etwa im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinne. Er rutschte im heimischen Garten aus, schrappte über eine Treppe. Dabei brach ein Dornfortsatz ab. Der Vorsitzende der CDU-Kreispartei muss starke Schmerzmittel nehmen und mindestens eine Woche das Bett hüten.
Gegen die Schmerzen, die die Partei als ganzes plagen, gibt es kein Rezept. „Miteinander reden, nicht übereinander“, skizziert der Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings das Gebot der Stunde. Schon am kommenden Montag, und damit eine Woche früher als geplant, trifft sich die Fraktion zu ihrer nächsten Sitzung.
Da wird mancher Frustrierte Dampf ablassen, über den großen Unbekannten wettern, der die ganze Partei in Misskredit bringt. Und alle werden zustimmend nicken.
Aktuell gibt es zehn Bezirke und damit die größtmögliche Anzahl
Das will die CDU: Vier Bezirke, bei Beibehaltung der bestehenden Bezirksverwaltungsstellen
So lief die Abstimmung: 38 stimmten für den Vorschlag, 39 wären nötig gewesen
Nächste Chance: Am 27. Februar wollen CDU und FDP ihren Antrag im Rat erneut stellen
Nutzen tut dies indes nichts, wenn nicht der zweite Teil der Aufarbeitungsstrategie greift. Die Spitzen der Partei führen in diesen Tagen viele Einzelgespräche. Ihre Hoffnung: Gewissheit statt Spekulationen.
War sich vielleicht ein Ratsmitglied nicht darüber klar, dass eine einzige Gegenstimme aus den eigenen Reihen den Antrag kippt? Geht es dem Abweichler um die Sache, die Zahl der Bezirke? Oder will er bewusst die Fraktion aufmischen? Ist er alleine oder Teil einer Gruppe?
Alle Varianten sind denkbar. Die meisten fürchten indes, dass das schwarze Schaf sehr wohl wusste, was es tat. Und es im Zweifelsfall auch wieder tun würde.
Dann helfen der CDU weder die demonstrativen Bekundungen zur Geschlossenheit noch mögliche Probeabstimmungen. Wenn jemand vorsätzlich die Fraktion vor die Wand fahren lassen möchte, kann er dies am 27. Februar in der Ratssitzung erneut tun.
„Wenn sich die Ausgangslage nicht verändert, wäre es äußerst gefährlich, noch einmal im Rat abstimmen zu lassen“, sagt Krings. Doch welche Alternativen bleiben? Man könne in anderen Fraktionen um Zustimmung für das eigene Modell werben, finden manche in der CDU. „Das Thema Stadtbezirke ist inzwischen nicht mehr alleine eine Krise der CDU. Das betrifft den Rat als Ganzes“, sagt Dr. Günter Krings.
Und dennoch steht für die CDU besonders viel auf dem Spiel. Insider halten es für möglich, dass Rolf Besten sein Amt als Fraktionsvorsitzender niederlegt, wenn die Reduzierung der Bezirke nicht gelingt. Zwar gibt es Kandidaten, die sich das Amt zutrauen würden. Ob sie es so geschickt wie Besten ausfüllen würden, bezweifelt das Gros der Fraktion.
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