Mönchengladbach: Chance für Schulschwänzer
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 07.12.2007Mönchengladbach (RPO). Über 250 Kinder und Jugendliche gehen in der Stadt nur äußerst selten oder gar nicht zum Unterricht. Das hat eine Umfrage an Schulen ergeben. Notorische Schulverweigerer sollen jetzt eine zweite Chance bekommen.
Die Kinder, die zurzeit im Jugendheim Giesenkirchen unterrichtet werden, haben eines gemeinsam: In der Vergangenheit sind sie so gut wie überhaupt nicht in der Schule aufgetaucht. Lernen? Das war nicht ihr Ding. Jetzt sollen sie erfahren, dass es sich lohnt, etwas zu tun. Schulamtsdirektor Walter Steinhäuser stellte im Schulausschuss ein neues Pilot-Projekt vor.
„Wir haben schon lange versucht, ein solches Schulverweigerer-Projekt auf die Beine zu stellen“, sagte der Schulrat. Etliche Anläufe seien gescheitert, weil es an Personal oder Geld fehlte. Diesmal hat es geklappt: Zwei Lehrer aus der Gemeinschaftshauptschule Dohr, eine sozialpädagogische Kraft und zwei Jugendamtsmitarbeiter beschäftigen sich zurzeit mit sechs Kindern und Jugendlichen aus dem gesamten Stadtgebiet, die als Schulschwänzer gelten. Sie sollen wieder an einen geregelten Tag herangeführt werden. „Wir wollen wenigstens ein bisschen Lust wecken, regelmäßig zu lernen“, erklärte Steinhäuser. Einen Schulabschluss gibt es nach dem Projekt nicht. Die Eltern haben einen entsprechenden Vertrag unterschrieben. „Die Unterrichtsinhalte sind auch nicht nach Lehrplan gestaltet. Hier geht es um projektorientierte und mehr handwerkliche Arbeit“, berichtete der Schulamtsdirektor. Auch wenn die Teilnahme am Projekt nicht mit einem Schulabschluss endet, sollen die Kinder und Jugendlichen nachher bessere Chancen haben. Denn anschließend besteht die Möglichkeit, die Teilnehmer in weitere Maßnahmen zu vermitteln.
„Unser Projekt ist noch ein Tropfen auf den heißen Stein“, weiß der Schulamtsdirektor. Denn es gibt viel mehr notorische Schulschwänzer als die sechs im Projekt. „Wir wissen von mindestens 160 Schulverweigerern in der Stadt“, so Steinhäuser. Eine Abfrage im Jahr 2005 bei allen Mönchengladbacher Schulen hatte sogar ergeben: 253 Kinder und Jugendliche gehen nur hin und wieder zum Unterricht oder fehlen gleich ein bis zwei Jahre. Eine Dunkelziffer ist nicht ausgeschlossen. In den Grundschulen geht’s schon los. Dort wurden 37 Dauer-Fehler genannt.
„Mit dem Pilotprojekt haben wir einen Anfang gemacht“, sagt Steinhäuser. Demnächst sollen zwölf Schulverweigerer die zweite Chance erhalten. Das Schulamt bereitet gerade eine umfangreiche Präsentation vor.
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