Mönchengladbach: Computer hilft, Laub zu fegen
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009Mönchengladbach (RPO). Städtische Gärtner sind bei der Parkpflege nicht teurer als ihre private Konkurrenz. Und im Vergleich mit anderen Städten ist Gladbach bei der Grünunterhaltung preiswerter. Das ergab eine Analyse mit dem neuen Grün-Kataster.
Die Anruferin war empört. "Schneiden Sie endlich mal die Zweige der Sträucher, die vom städtischen Grundstück in meinen Garten ragen", forderte sie Ralf Krücken auf. Der Abteilungsleiter, der sich mit 180 Mitarbeitern ums städtische Grün kümmert, konnte ihr den Ärger auf die Stadt nehmen. Nach einem Klick im Computer: Denn das neue Grünflächen-Informationsystem bietet jede Menge Zahlen, Daten und Fakten über 719 Hektar städtische Grünfläche – in Parks, auf Spielplätzen, an Straßen, Kindergärten, Kirchen und Schulen. Und so erfuhr die Anruferin, dass es keine Anlage der Stadt ist, an der ihr Garten grenzt. "Von diesen Anrufen bekommen wir täglich bis zu 50", sagt Krücken.
Kosten und Einsatz
Intensive Pflege Davon entfallen 179 Hektar in Gladbacher Parks.
Wenig Einsatz In 62 städtischen Anlagen wird nur ein- bis zweimal im Jahr der Rasen gemäht. Außerdem erfolgt Gehölzpflege nur alle zehn bis 15 Jahre.
Kosten Die Pflegekosten liegen pro Quadratmeter zwischen 53 Cent und 3,84 Euro. Die höchsten Beträge entfallen auf den Park von Schloss Wickrath. Der Geropark schlägt mit 1,56 Euro zu Buche.
Stadt arbeitet wirtschaftlich
Doch das Grünflächen-Kataster dient vor allem einem ganz anderen Zweck: Es macht deutlich, wie wirtschaftlich die Stadt bei der Grünpflege arbeitet. Dies ist wichtig. Denn die mit 1,2 Milliarden Euro verschuldete Stadt muss sparen wo sie kann und darf sich keine ausufernden Kosten leisten. "Die Bilanz zeigt: Wir sind nicht teurer als Privatunternehmen und arbeiten im Vergleich mit anderen Städten wirtschaftlicher", sagt Krücken.
Für das Informationssystem haben die städtischen Grün-Experten Luftbilder ausgewertet und Karten studiert. Von den 719 Hektar öffentlicher Grünfläche sind 123, die von Kleingärtnern gepflegt werden. Dafür ist die Stadt noch für 129 Hektar auf städtischen Friedhöfen und 840 Hektar Forst zuständig. Und wer meint, das städtische Grün sei in den vergangenen Jahren kleiner geworden, bekommt über das neue Kataster eine andere Auskunft: Es ist um 95 Hektar gewachsen. "Wir haben nur noch einige kleine Lücken, die wir noch auswerten müssen", sagt Krücken.
Bereits jetzt bekommen er und seine Kollegen detaillierte Informationen über städtische Anlagen. So zum Beispiel über den imageträchtigen Wickrather Schlosspark, dessen historische Gestaltung auch einen besonderen Pflegeaufwand verlangt. Bis zu 22 Mal jährlich werden hier die Rasenmäher angeworfen. Um die damit verbundene Kostenexplosion aufzufangen, treten die Gärtner an anderen Stellen kürzer: In den Anlagen im Güdderather Gewerbepark tuckern die Mäher nur gelegentlich übers Grün. Krücken: "Wir wissen, dass dies nicht immer schön aussieht. Aber wir haben keine andere Chance, die Kosten zu reduzieren." Das Kataster gibt aber auch Auskunft, wenn Großgeräte kostengünstiger eingesetzt werden können, dies aber an einem zu schmalen Schultor scheitert. Das wird dann geändert.
Eine andere Belastung macht Krücken mehr Kummer: Die städtischen Grünanlagen vermüllen. Krücken: "Ich muss jeden unserer 180 Mitarbeiter im Schnitt einmal wöchentlich einsetzen, um Müll zu entsorgen. Das bindet Kraft, Zeit und kostet Geld, das wir lieber anders einsetzen würden." KOMMENTAR
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