Mönchengladbach: Das Aussterben der Hauptschulen
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 14.08.2009Mönchengladbach (RPO). In den Hauptschulen gibt es immer weniger Schüler. Und das liegt nicht nur an der demographischen Entwicklung. Auch der Anteil der Schüler, die nach der vierten Klasse zu den zwölf Hauptschulen wechselt, wird geringer. 17 Prozent lautet die Übergangsquote in diesem Jahr, 21 Prozent waren es 2008. Zum Vergleich: Zu den vier Realschulen wechseln aktuell 19 Prozent aller Fünftklässler, zu den sechs Gesamtschulen 24 Prozent und zu den neun Gymnasien 40 Prozent.
Fehlende Perspektiven
Das hat Auswirkungen auf die Lehrerversorgung. Es gibt kaum noch Pädagogen, die zur Hauptschule wollen. Das liege einerseits an der Bezahlung, andererseits an der Perspektive, sagt Schulamtsdirektor Walter Steinhäuser. Und: "Wer sich auf eine neue Stelle bewirbt, möchte Sicherheit haben, dass er sich nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre einen neuen Job suchen muss."
In anderen Städten mussten schon Hauptschulen wegen Schülermangel geschlossen werden. Dieses Schicksal – da sind sich Experten einig – wird auch Mönchengladbach ereilen. Es gilt als ziemlich sicher, dass Schuldezernent Dr. Gert Fischer zur Schulausschuss-Sitzung am 15. November ein Konzept vorlegt, das Hauptschulschließungen beinhaltet. "Wir werden vernünftige Entscheidungsgrundlagen vorlegen", sagte er gestern.
Auch wenn die Lehrerversorgung zurzeit an den Hauptschulen auf dem Papier mit 102 Prozent noch gut aussieht. Die Realität ist anders: Denn es gibt viele Langzeitkranke. "An einer einzigen Hauptschule haben sich zum Schuljahrbeginn vier Kollegen krank gemeldet. Alles sind Langzeiterkrankungen. Das heißt: Die Pädagogen fallen mindestens bis zu den Herbstferien aus, wenn nicht sogar ein komplettes Halbjahr", sagt Steinhäuser.
Und damit nicht genug: Die Hauptschullehrerstellen, die neu ausgeschrieben wurden, konnten zum großen Teil nicht besetzt werden. Der Grund: Es gibt schlichtweg keine Bewerber. Und wenn es doch welche gibt, dann sind das laut Schulrat zu zwei Dritteln Seiteneinsteiger. Und die sind in der Regel auch nicht mehr jung, sondern nicht selten über 50 Jahre, so wie der Gesamtschnitt der Hauptschullehrer. "Dass es bei uns viele Kolleginnen gibt, die im Erziehungsurlaub sind, wie das an den Grundschulen der Fall ist, können wir wahrlich nicht behaupten", sagt Steinhäuser.
Je kleiner die Hauptschulen werden, desto schwieriger wird es auch, Leiter zu finden. Bis jetzt sei dies immer gelungen, sagt Schulrätin Ursula Schreurs-Dewies. Aber ob das in Zukunft auch noch so ist, steht in den Sternen. Denn zusätzlich zu der Unsicherheit, wie lange die Schule noch Bestand hat, kommt die niedrigere Besoldung, wenn die Schülerzahl unter 360 rutscht.
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