Mönchengladbach: Das Bürgerhaus
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 18.10.2007Mönchengladbach (RPO). Der neue Betreiber Michael Hollmann will den Gladbachern ihre gute Stube wieder näher bringen. Die Kellergewölbe von Haus Erholung werden zur urigen Wirtschaft. Festlich geht’s oben bei Hochzeiten zu.
Nobel sieht es von weitem aus, das altehrwürdige Haus Erholung, wie es auf dem Abteiberg thront. Dabei ist es von der Idee alles andere als majestätisch. „Wir wollen den Mönchengladbachern über ihre Hemmschwelle helfen“, sagt Michael Hollmann, Chef der Bolten-Brauerei. Er ist neuer Gastronom in Gladbachs guter Stube und will das Haus wieder zu dem machen, was es einst war: ein Haus für alle Bürger.
Dafür bietet das große Gebäude in der Tat ideale Voraussetzungen. Repräsentativ ist es im Erdgeschoss und in der ersten Etage. Kein Wunder also, dass das Hollmann-Team verstärkt auf Hochzeiten und andere private Festivitäten setzen will. „Da die Stadt die Räume vermietet, sind die Mieten nicht mit denen rein kommerzieller Anbieter vergleichbar“, sagt Hollmann. Rustikaler geht es im Biergarten zu. Welche Stadt hat das schon, fragt der Gastronom rhetorisch: einen großen Biergarten nur einen Steinwurf von der Haupteinkaufsstraße entfernt. Noch grüner soll er werden; die Bäume sind schon bestellt. Im Frühjahr wird die City einen Biergarten haben, der vom Konzept her mit dem idyllischen in Korschenbroich vergleichbar ist.
Zugang ins Rathaus Abtei
Die größten Schätze lagern allerdings im Keller. Und damit ist nicht jener Brunnen gemeint, von dem es angeblich einen direkten Zugang ins Rathaus Abtei gibt. Die Gewölbe im Keller sind der Öffentlichkeit kaum zugänglich. Dabei sind sie für Hollmann eines der größten Pfunde von Haus Erholung. „Hier lässt sich eine Wirtschaft einrichten, wie es sie nirgends in der Stadt gibt. Von den Möglichkeiten her ist das wie Auerbachs Keller in Leipzig“, so Hollmann.
Allerdings: Die Räume umzubauen, wird eine Menge Geld kosten. Und der Gastronom muss sowieso einiges aufbringen, um das Haus Erholung wieder zu beleben. Als das Hollmann-Team vor sechs Wochen die Geschäfte übernahm, gab es nicht eine Tasse und einen Topf – aber drei Tage später die ersten Hochzeitsgesellschaften. „Wir müssen am Anfang schon improvisieren. Und im Moment geht auch noch mal was schief“, sagt Hollmann. Darum will die Crew ein Projekt nach dem anderen angehen.
Ab Dezember wird es sonntags einen Brunch geben. Und all die anderen Ideen, das Jazz-Frühstück, die rheinische Hochzeit, die Kindergeburtstage und eben auch die urige Keller-Wirtschaft mit unmittelbarem Anschluss an die Weinhandlung Straeten, werden Schritt für Schritt umgesetzt.
Überraschungen
Peter Schlipköter, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft, freut sich über den Tatendrang des neuen Gastronomen. „Es ist einfach ein Riesenvorteil, dass jetzt alles in einer Hand ist“, sagt er. Und ist sehr gespannt, wie sich das Haus Erholung entwickelt. Überraschungen sind programmiert. Zum Beispiel bei der Frage, warum der eine Gewölbekeller kürzer ist als der andere. Peter Schlipköter: „Dahinter liegt ein versteckter Raum. Den werden wir bald öffnen. Dann wissen wir vielleicht, welche Leichen Mönchengladbach im Keller hat.“
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