Mönchengladbach: Das "End" ist in Sicht
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 21.10.2008Mönchengladbach (RPO). In Rekordzeit ist der gigantische Tunnel aus dem Abteiberg gewachsen. Der neue Zugang zum Museum, der für Diskussionen sorgt, ist eine Arbeit des Rheydter Künstlers Gregor Schneider. Am 8. November ist Eröffnung.
Auf dem Abteiberg geht der Gesprächsstoff nicht aus. Wildfremde Menschen stehen zusammen und suchen gemeinsam nach einer Erklärung. Dieses riesige Ding da, was soll das werden? Ideen gibt es genügend: Jetzt bekommt Gladbach doch noch eine Skihalle. Nein, das wird ein Hochregallager. Vielleicht wird das aber auch eine große Bühne. Wahrscheinlich tritt hier demnächst eine weltberühmte Band auf. Aber wo soll dann das Publikum stehen? Hier stimmt was nicht.
Dás könnte ein Kunstwerk sein
Sengül Yildirim ist zu Fuß die Abteistraße hoch gekommen. Und bleibt erstaunt stehen. „Das war letzte Woche noch nicht da“, konstatiert sie. „Ich glaube, das hat etwas mit dem Museum Abteiberg zu tun. Das könnte ein Kunstwerk sein.“ Sengül Yildirim liegt völlig richtig. Vor ihr wächst eine Riesenskulptur von Gregor Schneider aus dem Boden. Ihr Titel: END.
Gregor Schneider
Geboren 1969 in Rheydt
Studium Kunstakademien Münster, Düsseldorf und Hamburg
2001 Biennale Venedig
Aktuell Professur im Fachbereich Bildhauerei an die Universität der Künste in Berlin
Der Rheydter Künstler baut einen neuen Zugang zum Museum. 70 Meter lang ist der Tunnel, 14 Meter hoch sein Eingang. Derzeit wird das gigantische Metallgerüst, das den Kern der Arbeit bildet, mit Sperrholzplatten verkleidet. Die Techniker arbeiten auf dem Dach und von zwei Hebebühnen aus.
Ab Mittwoch wird eine schwarze Folie aufgezogen – innen und außen. Ein Jahr lang soll das Kunstwerk stehen bleiben. In der Zeit können mutige Museumbesucher durch den stockdunklen Trichter, der sich nach einem Knick dramatisch verjüngt, durch eine nur ein Quadratmeter große Öffnung in die Ausstellungsräume gelangen.
„Wir werden oft gefragt, was wir hier eigentlich machen“, sagt Henning Rieche. Der Bautechniker der Gerüstbaufirma Nüssli aus Gießen arbeitet seit zwei Wochen auf der Baustelle zwischen dem Haus Erholung und dem Museum Abteiberg. „Manche Passanten regen sich auf, halten das für großen Blödsinn, was wir hier machen.“ Aber die meisten seien ausgesprochen interessiert und angetan.
Die Anwohner der Abteistraße waren erst reichlich skeptisch. Vor allem, als sie hörten, dass auch an Samstagen und Sonntagen auf der Baustelle gearbeitet wird. „Aber inzwischen sind die Nachbarn beeindruckt“, sagt Uwe Riedel, am Museum Abteiberg für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
Seit zudem klar ist, dass die Stadt keinen Cent zur Realisierung der Arbeit beisteuern muss, haben sich viele Kritiker beruhigt. „Das Projekt kostet 407.000 Euro“, sagt Riedel. „Den Löwenanteil übernehmen das Land, die Kunststiftung NRW, etliche Sponsoren und Gregor Schneider selbst.“ Der 39-jährige Künstler beteiligt sich mit 150.000 Euro.
Am 8. November soll das Kunstwerk eröffnet werden. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt Henning Rieche. Bert Badekow, der für die Folienverkleidung zuständig ist, fürchtet nur eines: schlechtes Wetter. „Wenn es hier oben so richtig windet, sind wir aufgeschmissen.“
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