Mönchengladbach: Das Ende der Firma Beines
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 02.09.2010Mönchengladbach (RPO). Gladbachs ältestes Familienunternehmen stellt die Produktion ein. 46 Mitarbeiter, die zum Teil in der dritten Generation im Unternehmen sind, verlieren ihren Job. Damit endet ein weiteres Kapitel Textilgeschichte.
Es fällt Dieter Beines sichtbar schwer, die Nachricht auszusprechen. "Zu Ende Oktober werden wir die Produktion einstellen", sagt der Geschäftsführer der Wilhelm Beines Söhne GmbH und seine Stimme vibriert dabei ein bisschen. Mit diesem Satz verkündet der 63-Jährige das Ende der 176 Jahre währenden Geschichte des Traditionsunternehmens. 46 Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Die auf Färben, Bedrucken und Veredeln von Stoffen für die Damenoberbekleidung spezialisierte Firma ist das älteste Familienunternehmen in Mönchengladbach.
Die Rettung schien nah
Die Nachricht vom Ende kam überraschend. Vor zwei Wochen noch zeigte sich Dieter Beines im Gespräch mit der RP zuversichtlich, dass ein Investor das Unternehmen an der Bachstraße übernehmen würde. "Es gab eine Absichtserklärung, die alle Preise und Konditionen festlegte. Die haben unser Insolvenzverwalter und der Interessent am vergangenen Dienstag unterzeichnet", erklärt Dieter Beines. Die Erklärung erfolgte unter dem Vorbehalt, dass der Investor die Finanzierung von gut einer Millionen Euro realisieren konnte.
Für das 1874 als Wollwäscherei gegründete Unternehmen sollte sich damit die Geschichte wiederholen. 2006 musste die Geschäftsführung schon einmal Insolvenz anmelden. Damals gelang es, den Betrieb zu sanieren. Weil der niederländische Interessent aus dem Kundenkreis des Unternehmens kam und mit der Übernahme wichtige Vorstufen für die eigene Produktion eingekauft hätte, war Insolvenzverwalter Heinrich C. Friedhoff aus Aachen auch dieses Mal davon überzeugt, dass die Rettung zum Greifen nah sei. "Warum der Investor abgesprungen ist, wissen wir nicht", sagt Dieter Beines. "Er hat sich unseren Mitarbeitern schon als neuer Chef vorgestellt. Am vergangenen Mittwoch hat er noch mit mir Briefe an unsere Kunden geschrieben, weil er diese Woche bei der Stoffmesse in München ausstellen wollte."
Ende Oktober wird die Produktion auslaufen. "Alle eingegangenen Aufträge werden erfüllt, aber es werden keine mehr angenommen", sagt Insolvenzverwalter Friedhoff. Er hat den Unternehmerbrüdern beigestanden, als sie ihren 46 Mitarbeitern die schlechte Nachricht in einer Mitarbeiterversammlung überbrachten. "Viele sind schon in der zweiten oder dritten Generation bei uns", sagt Horst Beines (63). 20 Mitarbeiter können auf eine Betriebszugehörigkeit von über 20 Jahren zurückblicken.
Mit Wilhelm Beines Söhne gab es in Deutschland nur noch drei Textilveredler. Aber das Gladbacher Unternehmen konnte am Ende der Konkurrenz aus Asien, die schwer auf die Preise drückte, kein Paroli mehr bieten. Ende des Jahres ist das Unternehmen Geschichte.
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