Mönchengladbach: Das Ende des JHQ
VON CAROLA SIEDENTOP UND HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 16.05.2008Mönchengladbach (RPO). Gestern ist die Entscheidung gefallen: Ab 2010 verlassen die Soldaten das Hauptquartier. Voraussichtlich 2014 soll der Standort ganz geschlossen werden. In der Stadt und bei den 900 Zivilbeschäftigten ist die Enttäuschung groß.
Die Nachricht kam aus London. Und es dürften Menschen in feinen Anzügen gewesen sein, die dort entschieden hatten, was Colonel Scott Adam gestern um 11.30 Uhr von der Bühne des Globe-Kinos im Hauptquartier verkünden musste. In Kampfanzug und schwarzen Stiefeln, die Hände in die Hüften gestemmt, tat der Colonel gut 200 Soldaten und Zivilbeschäftigten der britischen Streitkräfte kund: Im Sommer 2010 wird das Hauptquartier des Alliierten Schnellen Eingreifskorps (ARRC) mit seinen Unterstützungseinheiten aus Rheindahlen abziehen.
Über die Zukunft der übrigen im Hauptquartier bei Rheindahlen stationierten Einheiten beschließt die britische Regierung im nächsten Frühjahr. 2014 steht aller Voraussicht nach die endgültige Schließung an. „Bis dahin“, so Adam, „läuft hier alles weiter wie gewohnt.“
Für die Stadt hat der Abzug der Briten schon jetzt große Auswirkungen. 900 zivile Arbeitsplätze sind betroffen, die örtlichen Geschäfte und Restaurants werden unter dem Weggang ihrer britischen Kunden leiden. Auch was mit dem riesigen Gelände passiert, das mit Schulen, Häusern und Sportplätzen wie ein eigener Stadtteil ist, steht noch nicht fest.
Auswirkungen des Abzuges
Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) und Bundestagsabgeordneter Dr. Günther Krings (CDU) sind gestern in einem Brief vom Befehlshaber des britischen Unterstützungskommandos, General Mungo Melvin, über die Entscheidung informiert worden. Auch wenn die Pläne schon länger bekannt waren, zeigte Bude sich „tief enttäuscht“ über den Abzug. Er hatte sich ebenso wie Krings für einen Verbleib eingesetzt.
Eine Projektgruppe beschäftigt sich seit einigen Monaten mit den Auswirkungen des Abzuges, NRW-Minister Oliver Wittke hat bereits eine finanzielle Unterstützung des Landes zugesagt. „Das Wichtigste ist zunächst die Zukunftswerkstatt, in der über alternative Nutzungsmöglichkeiten des JHQ gesprochen wird – und die ist zeitaufwändig und teuer“, sagte Bude. Sorgen macht den Politikern auch die Zukunft der Zivilbeschäftigten. Gemeinsam mit den Briten müsse man sich darum kümmern, sagte Krings: „Für beide Aufgaben drängt die Zeit“.
"Es sieht schlecht aus"
Denn mit dem Abzugsdatum 2010 ist für die Soldaten und Zivilbeschäftigten zwar nun in einem Punkt Gewissheit geschaffen. Doch viele Fragen sind auch nach dem Auftritt des Colonels im Kinosaal noch offen. „Wir wollen wissen, wann hier die ersten Entlassungen kommen“, sagt Harald Jonas. Eine Frage vor der der 55-Jährige nach 32 Jahren als Zivilangestellter der britischen Streitkräfte zum dritten Mal steht. Bevor er vor vier Jahren ins Rheindahlener HQ wechselte, hat er im Brachter Munitionsdepot und in Elmpt für die Armee Ihrer Majestät gearbeitet. Große Hoffnung, ein weiteres Mal einen neuen Job zu finden, hat er nicht: „Es sieht schlecht aus.“
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