Mönchengladbach: Das Eselbaby ohne Mutter
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 10.05.2008Mönchengladbach (RPO). Welch ein Tierdrama: Im Odenkirchener Tierpark verbiss die häusliche Eseldame vor zehn Tagen ihr gerade erst geborenes Baby. Seitdem wird der kleine Eseljunge von Tierpflegern mit der Flasche aufgezogen.
Die Natur hat ihr Urteil längst gefällt, sagt Christian Sweet und schraubt den Sauger auf die Milchflasche. Wenn es nach der Natur und der Esel-Mutter gehen würde, dann dürfte der kleine Esel, der jetzt fröhlich über die Wiesen im Tierpark hüpft, gar nicht leben. Es war ein kleines Drama aus dem Tierreich, das sich in den vergangenen zehn Tagen im Odenkirchener Tierpark abspielte. Die dort häusliche Eseldame brachte ein Junges zur Welt. Einen gesunden Jungen, der mal ein stattlicher Esel werden soll. Die Tiergarten-Leitung freute sich: Nicht erst seit Knut und Flocke sind Tierbabys bei Besuchern ziemlich beliebt. Nur die Tiermütter haben es manchmal nicht so mit dem Nachwuchs. „Die Esel-Mutter hat ihr Junges einfach weggebissen“, sagt Christian Sweet.
Vorbei war’s mit dem Familienglück bei den Eseln, noch bevor es begonnen hatte. Eine mittlere Katastrophe: Das noch namenlose Eselbaby muss den Muttertag nun ohne Mutter verbringen. Die Pfleger im Tiergarten standen vor der Entscheidung;: Aufzucht oder nicht? Sie probierten es. Seit zehn Tagen nun, seit der Geburt, zieht Zootierpfleger Christian Sweet den Kleinen mit der Flasche groß. Und das Eselbaby hat einen gesunden Appetit: Zehn Mal am Tag gibt er dem Kleinen mindestens einmal die Flasche mit 250 Millilitern einer nahrhaften Milchpulverlösung.
Nach ein paar Tagen machte der kleine Esel erste Fortschritte. Mittlerweile hüpft er schon ganz munter durch sein Gehege, räkelt sich im Schatten auf der Wiese und lässt sich auch bereitwillig von Besuchern streicheln. „Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn so eine Flaschen-Aufzucht klappt“, sagt die zwei Meter große Ersatz-Mama Christian Sweet. Aber er hat auch seine Bedenken: „Die Natur sagt: Das Baby ist nicht überlebensfähig und dafür hat sie auch ihren Grund.“ Auch Tierparkleiter Norbert Oellers schränkt ein: „Es gibt immer noch ein Restrisiko bei der Aufzucht.“ Der kleine Esel wird wahrscheinlich nicht so groß und kräftig werden wie seine Artgenossen. „Das ist nicht zu ändern“, seufzt Oellers. Aber immerhin: Der Kleine darf leben.
Nun hat das Eselbaby aber noch ein Problem: Es gibt noch keinen Namen. Nach zehn Tagen wird es aber höchste Zeit. „Wir sind offen für Vorschläge“ sagt Norbert Oellers. Eine Vorstellung hat Christian Sweet aber doch: „Siegfried oder so ähnlich wäre okay. Es muss kein Fantasiename sein.“ Und ein Patenonkel wäre auch nicht schlecht: Besucher, Firmen oder Schulklassen können Patenschaften über ein einzelnes Tier annehmen. Die für den kleinen Esel ist noch frei.
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