Pongs: Das Herz der Stadt
VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 23.09.2008 - 14:40Pongs (RPO). Inmitten vom Großstadtleben liegt der idyllische Fleck namens Pongs. Die Honschaft macht was her: Neben vielen Sportvereinen hat der Ortsteil massig Natur zu bieten. Ein Wermutstropfen bleibt dennoch: Geschäfte sind aus der Honschaft fast verschwunden.
Populär war der Ortsteil Pongs schon immer. Nicht nur, weil er oft von Autofahrern als Abkürzung von Holt in Richtung Rheydt genutzt wird. Pongs ist auch die Heimat des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Heinz Harald Frentzen, war Gastgeber des beliebten Stadtwaldfestes und ist geografischer Mittelpunkt von Mönchengladbach.
Hier findet dörfliches Leben hinter städtischer Reihenhausfassade statt. Und diese Idylle entdeckt jeder, der hinter die Häuser schaut, sich durch die verwinkelten Gassen schlängelt: Kleingarten reiht sich an Kleingarten, der Rheydter Bach plätschert und schleicht sich an dem Örtchen vorbei. Bohnenpflanzen klettern an Stangen hoch, Kürbisse leuchten in ihren Beeten in herbstlichen Farben. „Dieses Bild steht für Pongs“, sagt der Vorsitzende des Orts- und Heimatvereins Volker Körfer (45).
Denn damals, etwa im zehnten Jahrhundert, fing alles mit einem landwirtschaftlichen Betrieb an. „Pongs war ein reines Feld“, sagt er. 1822 standen schon ganze 21 Häuser in der Honschaft, mittlerweile ist sie dicht besiedelt. „Die Mischung macht Pongs heute aus“, sagt Körfer. Zum einen stehen hier schmucke alte Häuser, wie eine weiße Villa am Pongser Kamp aus dem Jahre 1906, zum anderen beginnt wenige Meter weiter eine Neubausiedlung.
Seinen Charme hat das Örtchen dadurch aber längst nicht verloren. Auf den Gehwegen stehen Kübel mit bunten Blumen, Bänke zum Entspannen laden an jeder Ecke ein. „Das machen wir uns als Heimatverein zur Aufgabe. Wir achten darauf, unsere Honschaft zu pfelgen und zu verschönern.“ Einzig und allein das Geschäftsleben liegt mittlerweile brach: „Damals hatten wir noch drei Bäcker und einen Supermarkt.
Vor vier Wochen hat die letzte Metzgerei geschlossen. Sie kommen gegen die großen Supermärkte nicht an“, beklagt sich der Architekt. Nur Dieter Junkers (41), Bäcker in zweiter Generation, bleibt Pongs treu. Seine Bäckerei an der Pongser Straße hat Tradition. Seit zwei Generationen wird das Lädchen betrieben, bald ganze 50 Jahre. „Zu uns kommen nicht nur Pongser, sondern auch Rheydter“, sagt Dieter Junkers stolz.
Mit Rheydt fühlen sich die Pongser sowieso verbunden. „Wir gehörten schon immer diesem Stadtteil an“, erklärt Manfred Pungs (71) vom Orts- und Heimatverein. „Früher hatte Pongs überwiegend eine evangelische Gemeinde. So wie es für Rheydt auch üblich war.“ Inzwischen ist es bunt gemischt, wie auch die katholische Pfarrkirche Herz-Jesu Rheydt deutlich macht, die vor dem Ortseingang thront.
Bunt gemischt ist Pongs aber auch in seinen Altersklassen. Viele junge Familien ziehen in die Neubaugebiete, die zwei beliebten Pflegeheime „Am Martinshof“ und „Haus am Buchenhain“ sind Wohnstätten der alten Menschen im Ortsteil. Kleine Kinder toben auf dem Pausenhof der Grundschule und die Jugendlichen spielen in den vielen Sportvereinen, die Pongs zu bieten hat.
Tierisch gute Laune ein paar Meter weiter, direkt vorm Stadtwald: Hier trainieren Bello & Co. mit ihren Herrchen. Meisterschaftlich geht’s zur Sache: Hopp, über einen Hocker gesprungen, vorbei an einem Slalom-Parcour, die Vierbeiner sind gut unterwegs, Disziplin „Agility“. Die Deutsche Meisterin ist selbstverständlich durch und durch Pongserin, Corinna Hornung, 16 Jahre, und Mitglied des Hundesportvereins – Wuff!
Mehr zu bellen hat man in Pongs allerdings nicht. „Wir leben gerne hier“, sagen die Männer des Heimatvereins einstimmig. Sicher, manche Dinge könnten sich ändern: Zum Beispiel wäre endlich eine Entscheidung bei der Frage fällig, was mit dem alten Nazi-Bunker passiert. Oder ob es nicht doch besser wäre, die lang ersehnte Trasse für den Mittleren Ring zu bauen, die als Schnellverbindung zwischen der Gingterstraße in Holt und der Hubertusstraße in Rheydt dienen kann.
Volker Körfer dreht sich in Richtung Rheydt. Vor ihm liegt die Dahlener Straße, ihr im Rücken das Elisabeth-Krankenhaus. Der Koloss markiert die Grenze. „Dort hinten hört Pongs auf, dann beginnt das städtische Leben.“
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