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Mönchengladbach: Das kann auch hier passieren

VON NICOLE GONSIOR - zuletzt aktualisiert: 12.03.2009 - 19:24

Mönchengladbach (RPO). Die Schüler und Lehrer in der Stadt waren schockiert vom Amoklauf in Winnenden. Sie sind sich einig: Die Schulen brauchen mehr Hilfe von externen Experten wie Psychologen und Sozialarbeitern. Aber auch sie selbst müssen sich verstärkt um Außenseiter kümmern.

Ilian Popov (20): „Ich fühlte mich hilflos, als ich von dem Amoklauf in Winnenden gehört habe ­ so etwas könnte überall und jederzeit passieren. So einer Tat vorzubeugen ist sicherlich nicht nur Aufgabe der Schule: Ein wichtiger Faktor sind die Eltern ­ wenn diese beispielsweise viel zu tun haben, dem Kind nur materielle Dinge bieten und das Kind darüber hinaus keine Freunde hat, könnten das Gründe sein, die zu einer solchen Tat führen. Als Lehrer sollte man darauf achten, dass Schüler nicht ausgegrenzt werden. An meiner Schule kenne ich viele Lehrer, die sehr engagiert sind und sich allgemein für ihre Schüler einsetzen.”

Katharina Rettig (19): „Ich war erschüttert, als ich von dem Amoklauf gehört habe. Ich kann nicht verstehen, wie es zu so einer Tat kommen kann und habe mich automatisch nach der Ursache gefragt. Eigentlich gibt es ja an jeder Schule und in jeder Stufe Schüler, die still und unbeteiligt sind ­ also wäre so eine Tat auch bei uns möglich. Ich denke, man sollte so viele Lehrer zur Verfügung stellen, dass sich diese intensiv um ihre Schüler kümmern können. Im Moment bleibt ihnen dafür aber wegen der vollen Lehrpläne keine Zeit.”

Norbert Noël, Lehrer für Geschichte und Französisch: „Ich finde die Vorstellung sehr irreal, dass an meiner Schule jemand Amok laufen könnte. Aber mein Verstand sagt mir, dass das nicht unmöglich ist. Ich finde es wichtig, dass man Maßnahmen ergreift, um so einer Tat vorzubeugen: Es muss ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Schule bestehen, damit man Probleme der Schüler gemeinsam lösen kann. Darüber hinaus sollte man auf ein gutes Schulklima achten. Wir brauchen auch mehr Hauptamtliche, die sich den Problemen der Schüler annehmen ­ wir Lehrer alleine schaffen das nicht. Trotzdem ist es wichtig, dass wir uns zumindest eingeschränkt Zeit für unsere Schützlinge nehmen.

Tobias Opel (18): „Ich finde sehr schlimm, was in Winnenden passiert ist. Trotzdem fühle ich mich nicht direkt betroffen: Natürlich ist die Gefahr da, dass so etwas hier passiert, aber wirklich etwas dagegen tun, kann man nicht. Wer Amok laufen will, tut das auch. Natürlich kann man Vorsorge betreiben, vielleicht Schulpsychologen einsetzen und Notfallpläne installieren. Aber die Schule ist nicht allein für die Erziehung verantwortlich, auch die Eltern spielen eine wichtige Rolle. Vielleicht hätten die Eltern von Tim K. wachsamer sein können, immerhin hat er scheinbar bereits mit acht Jahren Ballerspiele gespielt.”

Marie-Luise Hakes, Referendarin für Französisch und Philosophie: „Die Schüler in meinem Philosophiekurs haben im Unterricht den Amoklauf von Winnenden angesprochen. Wir waren uns einig, dass man dringend Anlaufstellen, wie Schulpsychologen, für Schüler braucht. Und das nicht nur, um einem möglichen Amoklauf vorzubeugen, sondern auch für Probleme wie Bulimie. Dabei schien es den Schülern sehr wichtig zu sein, dass sie anonym über ihre Probleme sprechen können. Ich persönlich fühle mich nicht geschult dazu, eine definitive Beratung bei Schülern zu leisten, die keinen Ausweg mehr in ihrem Leben sehen.”

Holger Postelmann, Lehrer für Englisch und Geschichte: „Ich war schockiert, dass so eine Tat tatsächlich an deutschen Schulen möglich ist ­ der Amoklauf von Erfurt ist schon einige Jahre her, da war dieses Thema nicht mehr bei mir präsent. Ich denke, dass nur mehrere Faktoren zu so einer Tat führen können. Man sollte vielleicht auf Anzeichen achten: zum Beispiel, wenn ein Schüler zugänglich für Waffen ist und nur wenige Freunde hat. Ich glaube nicht, dass PC-Spiele allein zu so einer Tat führen.”

Laura Weuthen (18): „Ich finde es unglaublich, dass es in den vergangenen Jahren schon einige Male vorgekommen ist, dass Menschen in Deutschland oder in den USA Amok gelaufen sind. Anscheinend haben sich bei diesen Menschen so viele Probleme aufgestapelt, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sahen. Einer solchen Tat vorzubeugen, finde ich schwierig ­ man kann ja nicht jede Schule unter Polizeischutz stellen. Vermutlich kann man nur auf Anzeichen achten.”

Quelle: RP

 
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