Mönchengladbach: Das Katastrophenjahr
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 28.03.2009Mönchengladbach (RPO). Die Explosion am Siepensteg, das Flammeninferno an der Krefelder Straße, die Gaswolke in Güdderath und ein Unwetter mit Weltuntergangsstimmung – die Feuerwehr blickt auf ein Jahr mit echten Herausforderungen zurück.
35 883-mal musste die Feuerwehr im vergangenen Jahr ausrücken. Vom reinen Zahlenwerk her ist das nichts Ungewöhnliches. Denn gegenüber 2007 habe sich die Zahl der Einsätze nur unwesentlich erhöht, wie der zuständige Dezernent Peter Holzenleuchter gestern berichtete. Allerdings: Selten hatte die Feuerwehr so viele spektakuläre und schwierige Fälle zu bewältigen.
9. März Kurz nach 14 Uhr reißt eine gewaltige Detonation tausende Mönchengladbacher aus der sonntäglichen Mittagsruhe. Am Siepensteg gab es eine Explosion, die den Anbau des Hauses Nummer 11 regelrecht zerfetzte. Zwei Schwerverletzte können unter den Trümmern relativ schnell geborgen werden. Am stark einsturzgefährdeten Gebäude beginnt eine fieberhafte und gefährliche Suche nach einem weiteren Vermissten. Stunden später finden die Rettungskräfte den Gesuchten unter den Schuttmassen. Er überlebte das Unglück nicht.
30. April Gegen 19.25 Uhr gehen gleich mehrere Notrufe bei der Feuerwehr ein. Die riesige Rauchwolke, die von einem fleischverarbeitenden Unternehmen an der Krefelder Straße ausgeht, ist kilometerweit zu sehen. Um dem Flammenmeer Herr zu werden, müssen die Einsatzkräfte eingestürzte Gebäudeteile auseinanderziehen und für die Löscharbeiten Wasser aus der Niers holen. Bis zu 350 Feuerwehrleute bekämpfen den Großbrand. 16 Stunden wird der Einsatz dauern. Doch das Gebäude ist nicht mehr zu retten.
29. Mai Um 10.50 Uhr ist plötzlich Nacht. Eine Unwetterfront verdunkelt den Himmel. Dann beginnen sintflutartige Regenfälle und Hagelschauer. Innerhalb von wenigen Minuten steht die Stadt unter Wasser. Die Feuerwehr ist pausenlos im Einsatz. Zusammen mit Hilfsorganisationen sind 500 Helfer unterwegs, um Keller, Tiefgaragen und Wohnungen leer zu pumpen. Stromversorgungen fallen aus, in Heizungsanlagen gibt es Verpuffungen, Brandmeldeanlagen werden ausgelöst. Bis zum Abend rückt die Feuerwehr über 700-mal aus.
16. August Nach einem Brand strömen aus einem Großlager für Lacke in Güdderath 25 Millionen Liter CO2 aus einer automatischen Löschanlage. Durch unglückliche Umstände sammelt sich eine geruchs- und farblose Gaswolke in einer Mulde – mit verheerenden Folgen. "Plötzlich wurden 14 leblose Menschen auf der Straße gemeldet", erinnert sich Feuerwehrchef Jörg Lampe. 350 Einsatzkräfte – auch aus den Nachbargemeinden – retten Menschen, evakuieren das betroffene Gebiet und behandeln die 104 Verletzten. Mit einem Hubschrauber wird die Gaswolke an diesem windstillen Tag schließlich verwirbelt.
"Wenn man in diesen schwierigen und tragischen Fällen etwas Positives sehen will, dann, dass die Feuerwehr solchen Anforderungen gewachsen ist", sagt Sprecher Frank Niessen. Dennoch erfordern Entwicklungen einige Veränderungen. "Wir müssen von mehr Unwettern und klimatisch bedingten Schadensfällen ausgehen", sagt Lampe. Dafür will sich die Feuerwehr rüsten.
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