Mönchengladbach: Das Kunstwerk als Wahlarena
VON JEAN-CHARLES FAYS - zuletzt aktualisiert: 28.04.2010 - 23:37Live aus Wickrath übertrug der WDR gestern die TV-Fünferrunde zur NRW-Landtagswahl. Unter den 160 repräsentativ ausgewählten Zuschauern waren auch Gladbacher. Hinter den Kulissen scherzten die Spitzenkandidaten.
Es ist die letzte Entscheidungshilfe vor der Wahl. Der letzte TV-Talk der Spitzenkandidaten der fünf großen Parteien. Für alle steht viel auf dem Spiel. Einer der 160 Gäste, die gestern Abend im Wickrather Kunstwerk die 13,5 Millionen Wahlberechtigten in NRW symbolisierten, ist der Mönchengladbacher Andreas Kowalewski.
Vor dem TV-Gipfel der Spitzenkandidaten der fünf großen Parteien sagt er: „Ich habe das TV-Duell zwischen Rüttgers und Kraft am Montag im Fernsehen gesehen. Es war nicht so interessant.“ Der 26-jährige Jurist, der im Landesvorstand der Jungen Union ist, erhofft sich eine Stunde vor Beginn der Live-Sendung um 20.15 Uhr „allein schon dadurch mehr Pepp, dass dieses Mal der eine oder andere der kleineren Parteien dazwischen fährt“.
Seine Mönchengladbacher Kollegin von der Jungen Union, Madeleine Siepen, die über das Wahlforschungsinstitut Infratest-Dimap ebenfalls zufällig als Saalgast eingeladen wurde, wünscht sich „klare Koalitionsaussagen – zu Schwarz-Grün, als auch zu Rot-Rot-Grün“. Für welche Parteien sich Kowalewski und Siepen aussprechen ist klar. Genauso klar wie bei Heinz-Dieter Albert, der sich einen Tisch weiter auf der Empore des Theaters gerade bei Gulaschsuppe und Softdrinks für die Sendung stärkt.
„Ich bin seit 40 Jahren für dieselbe Partei. Und für welche Partei man in Gelsenkirchen ist, ist jawohl klar: Natürlich Rot.“ Während das Publikum schon vor der Sendung über Politik streitet, bereitet sich Moderator Jörg Schönenborn vor dem WDR-Ü-Wagen auf die Sendung vor. Sein innigster Journalistenwunsch ist es, „etwas Neues zu erfahren“.
Er würde sich freuen, „wenn die Politiker hier in Mönchengladbach, das heute zu Klein-NRW wird, sich von Argumenten anderer Parteien überzeugen lassen“. Das würde Politiker glaubwürdig machen. Kurz darauf treffen diese ein. Um 18.40 Uhr, als erste aller Spitzenkandidaten, Hannelore Kraft.
Als vorletzter eine Stunde später der Ministerpräsident, der von vier Sicherheitskräften vom BKA umringt wird, und als letzter Andreas Pinkwart. Ein vom WDR angestellter Sicherheitsmann erklärt: „Der Ministerpräsident darf wegen der Anschlagsgefahr nie länger als eine halbe Stunde vor einer Veranstaltung vor Ort sein.“
Auch wenn die Sprengstoffhunde Chili und Rocky das Gelände bereits seit 15 Uhr großräumig abgeschnüffelt haben. Zehn Minuten vor der Sendung treten hinter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen die Kandidaten ein. Kraft ruft ihrer Assistentin noch zu: „Keine Sorge. Das Handy ist aus.“
Rüttgers, der neben Pinkwart läuft, ist betont locker und scherzt mit dem Kamera-Assistenten: „Wollen Sie nicht da rein? Ich gehe dann da vorne in den Biergarten.“ Pinkwart antwortet für den verdutzten Kamera-Assistenten: „Was? Um die Uhrzeit?“
Die Koalitionäre verstehen sich. Das ist um 22 Uhr auch das Resümee des CDU-Mitglieds Kowalewski: „Bei der lebhaften Diskussion waren CDU und FDP die Sieger.“ Doch gewählt wird erst am 9. Mai. --
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