Mönchengladbach: Das Rheydter Blumen-Volksfest
VON GARNET MANECKE UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.09.2008Mönchengladbach (RPO). Über 50.000 Besucher staunten am Sonntag über einen Blumenkorso, der an beste Zeiten anknüpfte. Es gab prächtige Prunkwagen, edle Pferde, elegante Damen, Familienfest-Atmosphäre und ein bisschen Politik.
Es war ganz wie früher. Haupt- und Stresemannstraße waren allerbeste Adressen. Wer dort wohnt, hatte am Sonntag plötzlich ganz viele Freunde und die Bude voll. „So viele Menschen habe ich in Rheydt noch nie gesehen“, sagte Rainer Kellermann, Vorsitzender des Rheydter City-Managements. Sie kamen mit Autos, mit Bussen und Taxis. Den Jubiläumskorso wollte keiner verpassen. Und kaum einer dürfte sein Kommen bereut haben.
Denn es gab nicht nur viel zu gucken, sondern eine fröhliche und herzliche Volksfest-Atmosphäre, die so ganz selten ist. Im Mittelpunkt standen natürlich die Blumen-Prunkwagen. Mit viel Liebe wurden die 44 Festwagen in Form der legendären Propellermaschine JU 52, einer venezianischen Gondel, Schmetterlingen und flotten Bienen gestaltet. Allein für den riesigen Elefanten und den Schwan wurden je über 25.000 cremefarbene Dahlien verarbeitet. Dazu schmeichelten edle Pferde und elegant gekleidete Damen den Augen der Zuschauer. Das Gladbacher Prinzenpaar 2001, Alexandra und Hermann Schnitzler, fuhr in einer weißen Märchenkutsche vor, die auch Aschenputtel alle Ehre gemacht hätte.
Der Korso in Zahlen
1200 Teilnehmer 44 Blumenwagen
40 Fußgruppen
3 Kutschen
500 000 Dahlien
3 Kilometer Zuglänge
3 Stunden brauchte der Korso für seinen Weg durch die Rheydter Innenstadt.
18 Einsätze fuhren die Rettungswagen, weil Besucher kollabiert waren; 7 davon mussten im Krankenhaus behandelt werden, meldete Zugleiter Elmar Eßer.
Aber nicht nur die großen Wagen kamen gut an. Auch die kleinen Ideen wurden honoriert. Auffallend dabei war der große Einsatz der Schulen. Die Straßenbahn der Förderschule Am Torfbend etwa oder das kunstvolle Stillleben des Gymnasiums an der Gartenstraße gehörten zu den Highlights des Korsos und wurden vielfach mit Applaus bedacht.
Zu der Familienfest-Atmosphäre, die die rund 1200 Korso-Aktiven heraufbeschworen, trugen die 40 Fußgruppen erheblich bei. Sie herzten das Publikum, tanzten und zeigten Kunststücke, spielten und musizierten mit einer Freude, die das Publikum sofort ansteckte. Mit Flic-Flacs, Doppelrädern und menschlichen Pyramiden unterhielten die Turner des Turnvereins Mülfort die Gäste auf der Ehrentribüne, darunter viele ehemalige Blumenköniginnen und deren Ehrendamen.
Und so gab es auch kaum Unmut, als der Zug ins Stocken geriet, weil er aus Sicherheitsgründen fast eine halbe Stunde stehen bleiben musste. Samba-Gruppen und Fanfaren spielten auf und lösten am Rande des Korsos Spontan-Partys aus.
„Der Blumenkorso soll ja wieder eine feste Einrichtung werden. Vielleicht ist das der Anfang davon“, kommentierte Günter vom Dorp trocken. Er moderierte den Korso vom RP-Bus aus fachkundig und höchst unterhaltsam. Dass der Blumenkorso so verzauberte, lag daran, dass er mehr als pure Unterhaltung war. Er hatte eine Aussage, die weit über das aktuell politische hinausging. Zwar zog die CDU einen Planwagen, schwamm Bezirksvorsteher Karl Sasserath (Grüne) in Anspielung auf die Diskussion ums Pahlkebad als überagiler Bademeister in einem von Sonnenblumen gesäumten leeren Schwimmbecken und tanzte die SPD Sirtaki.
Doch viel wichtiger war die Überzeugung, die spürbar wurde und alle einte: „Wir in Rheydt, wir schaffen das.“ Mancher kam – in Erinnerung an die großen Rheydter Zeiten – mit einer Träne im Knopfloch. Doch viele, gerade die Älteren, trugen eine echte blühende Blume am Revers. Was für ein schönes Symbol!
Fast gerührt stellte Rainer Kellermann am Ende des Zugs fest: „Wir können stolz auf uns sein.“ Und auch Mitorganisator Ulrich Ernst freute sich: „Wir haben gesehen, was für ein Potenzial in Rheydt steckt.“ Oberbürgermeister Norbert Bude, appellierte an die Besucher: „Kommen Sie wieder, Rheydt hat es verdient.“
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