Mönchengladbach: Das Spritparadies ist geschlossen
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 08.07.2008Mönchengladbach (RPO). Die Frisuren der 80er-Jahre mögen ja fürchterlich gewesen sein. Aber so mancher Autofahrer, der gestern den Tankdeckel aufgeschraubt und dem lautlos Liter und Euro zählenden Rädchen an der Zapfsäule zugeschaut hat, wird sich in die 80er zurück gewünscht haben.
Mit 1,559 Euro war der Liter Super an etlichen Tankstellen nicht nur teuer. Er war auch teurer als zur gleichen Zeit an anderen Orten in der Republik: An etlichen Berliner Pumpen gab’s Super schon für 1,499 Euro. Und das heißt: Die Zeiten, in denen Mönchengladbach als eine Tiefpreis-Zone für den Kraftstoff galt, sind vorbei.
Ein Cent Spielraum
Das Phänomen des vergleichsweise günstigen Mönchengladbacher Sprits wurde damals auf den Preisdruck zurückgeführt, den etliche Tankstellen an Supermärkten ausübten. Solche gibt es zwar nach wie vor. Aber sie scheinen den Preis nicht mehr dauerhaft in der gesamten Stadt niedrig zu halten. Ein Cent billiger – das ist die Grenze, die große Ketten heute freien Tankstellen zugestehen, meint Achim Wilms, Mineralölhändler und Betreiber einer freien Tankstelle in Wickrath.
Doch wenn ein Freier noch um einiges tiefer geht, dann ziehen die Großen nach. „Die Gesellschaften kämpfen heute um jeden Prozentpunkt Marktanteil“, sagt Wilms. Vor sechs Jahren hat er es erlebt: Zwei Wochen lang bot er sein Benzin zum Tiefstpreis, nahezu am Einkaufspreis, an. Die drei konzerngebundenen Mitbewerber zogen immer mit. So lange, bis Wilms nicht mehr tief stapeln konnte.
Ein Musterbeispiel für das was, Jacqueline Grünewald vom ADAC Nordrhein als beinharten, aber sehr kleinräumigen Wettbewerb beschreibt. Tankstellen belauern sich gegenseitig, melden ihre Preise an den Konzern – und wenig später werden sie der Konkurrenz angepasst. Bestimmte Regionen mit stabil niedrigen Preisen gebe es nicht, so die Sprecherin des Automobilclubs. „Da schießt immer eine andere Stadt den Vogel ab.“ Wirklich freie Tankstellen, die es mal mit einem großzügigerem Nachlass versuchen könnten, gebe es immer weniger, sagt Achim Wilms. Vielleicht ist das ein weiterer Grund, warum Mönchengladbach heute in Sachen Spritpreis eine ganz normale deutsche Stadt ist.
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