Mönchengladbach: Das zensierte Ehrenmal
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 25.11.2009Mönchengladbach (RPO). Kann der ständige Anblick eines Bildes mit bewaffneten Soldaten zarten Kinderseelen schaden? Die Stadt geht auf Nummer sicher und lässt das Ehrenmal in der katholischen Grundschule Waldhausener Höhe verhüllen.
Seit 1935 befindet sich im Foyer der katholischen Grundschule Waldhausener Höhe ein Ehrenmal. Auf zwei Gedenktafeln wird an ehemalige Schüler erinnert, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Später kam ein Schild mit den Namen der Toten aus dem Zweiten Weltkrieg hinzu. Jahrzehnte lang hat das Denkmal keinen gestört.
Doch dann kam der Zoff. Weil die Soldatendarstellung auf dem Mosaik am Ehrenmal und der darunter stehende Spruch nicht mehr zeit- und altersgerecht seien, kamen schon in den 90er Jahren die ersten Stimmen auf: "Weg damit! So etwas gehört nicht in eine Grundschule!" "Dieses Denkmal ist wichtig, weil es an die Gräuel des Krieges erinnert", konterten viele Waldhausener. Schließlich sind auf den Tafeln die Namen ihrer Ahnen verzeichnet. Und die hätten einen Platz im Mittelpunkt des Ortsteils, also in der Schule, verdient.
Kriegsdarstellungen
Mosaik Die Darstellung stammt von Josef Höttges, von dem vor allem sakrale Glasfenster für St. Peter Waldhausen, die Brandskapelle, die Gnadenkapelle Hehn und St. Peter Hermann bekannt sind.
Zitat "Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!" Dieser Satz findet sich auf zahlreichen Kriegerdenkmälern, zum Beispiel in Hamburg.
Spruch mit Balken zensiert
Jetzt will der Schulträger, sprich die Stadt, das Ehrenmal verhüllen. Also zumindest teilweise. Denn erneut ist die Darstellung von zwei bewaffneten Soldaten in Kampfuniform des Gladbacher Künstlers Josef Höttges in die Kritik geraten. Vor allem Besucher der Schule sollen sich mokiert haben über die nicht kindgerechte Darstellung des Krieges. "Mit der Erteilung des Auftrages zur Verhüllung erfüllen wir den Wunsch der Schule", betont Stadtsprecher Dirk Rütten.
Schon vor 15 Jahren erfuhr das Ehrenmal eine erste Zensur. Damals war es nicht die Soldatendarstellung, die die Gemüter erregte, sondern das Zitat aus dem Gedicht "Soldatenabschied" von Heinrich Lersch. "Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen", hatte der Mönchengladbacher Arbeiterdichter Lersch in der Kriegseuphorie von 1914 geschrieben. Weil der Satz bis in die Zeit des Nationalsozialismus' als Kampfparole genutzt wurde, stieß er vielen Besuchern der Schule wie ein Dorn ins Auge. Also wurde der Spruch mit einem roten Balken verdeckt.
Eine Komplett-Enfernung des Ehrenmals hatte die Untere Denkmalbehörde 1994 abgelehnt. Sie urteilte, dass es sich bei dem Denkmal um ein zeitgeschichtliches Dokument handele, auch wenn seine Darstellung aus heutiger Sicht berechtigterweise zu Kontroversen führe. Die Geschichte könne nicht durch die Entfernung ihrer Zeugnisse ungeschehen gemacht werden.
Mit der Verhüllung des Mosaiks samt Spruch hofft die Stadt nun einen guten Kompromiss zwischen Ehrenmal-Gegnern und -Befürwortern gefunden zu haben. Denn bald brauchen die Schulkinder sich das Soldatenbild nicht mehr täglich anzuschauen, "aber wenn sich Kinder und Lehrer im Rahmen des Unterrichts mit dem Thema Krieg und seiner Darstellung in Literatur und Bildender Kunst auseinandersetzen wollen, dann geht das immer noch", sagt Rütten.
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