Mönchengladbach: Das Zeug zum Brennpunkt
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 14.08.2010Mönchengladbach (RPO). Von der florierenden Fabrik zur Industrie-Brache: Fast 100 Jahre schrieb die Mülforter Zeugdruckerei der Unternehmer-Familie Bresges Textilgeschichte. Doch seit der Insolvenz vor acht Jahren gammelt, brennt und zerfällt die Fabrik vor sich hin. Niemand fühlt sich zuständig.
Mülfort Der Name des Stadtteils stand für eine Institution, die bis auf den afrikanischen Bekleidungsmarkt reichte. Die "Mülforter", wurde das Unternehmen an der Duvenstraße genannt. In großen Buchstaben prangte es über dem Eingang. Das Wort Zeugdruckerei wurde gerne weggelassen. Man wusste auch so, um wen es sich handelt. Nämlich um die Firma der großen Gladbacher Unternehmer-Dynastie Bresges. Dafür stand der Name bis vor acht Jahren. Heute steht der Begriff "Mülforter" für eine Industriebrache, die in der Stadt fast einzigartig ist. Und die der Stadtverwaltung jährlich ungeheure Kosten verursacht.
Heinrich Bresges war der Begründer der typischen Gladbacher Unternehmer-Geschichte. Er eröffnete 1905 die Mülforter Zeugdruckerei und Färberei Heinrich Bresges GmbH und Co., es war der Prototyp eines Familienbetriebes. Als klassischer Lohnveredler und Anbieter modischer Eigenkollektionen setzte sich die Mülforter auf dem Textil- und Bekleidungsmarkt durch. 1936 trat Ernst H. Schulze Bresges in das Unternehmen seines Onkels Heinrich ein und übernahm drei Jahre später die Geschäftsführung. Er machte daraus ein Unternehmen von internationalem Format. Selbst die fast vollständige Zerstörung der Produktionsanlagen im Zweiten Weltkrieg konnten die Mülforter nicht davon abhalten, bald wieder Marktführer in Europa zu sein. Ernst H. Schulze Bresges vergrößerte das Unternehmen immer weiter, bis es einen Großteil der heutigen Duvenstraße einnahm. Es ist eben eine typische Gladbacher Textilgeschichte.
Doch die Mülforter schrieb nicht ihre eigene Geschichte weiter wie wenige andere Unternehmen aus der Textilbranche. Sie ging mit dem Sog, der so viele Gladbacher Bekleidungsfirmen mit sich zog, unter. Und das begann in den 80er Jahren. 1983 beschäftigte die Mülforter noch 700 Mitarbeiter an der Duvenstraße, als es erstmals in der Unternehmensgeschichte um Entlassungen ging. Unternehmensberater empfahlen dies, um die Wirtschaftlichkeit aufrecht zu erhalten. In anderen Ländern ließ sich Bekleidung mittlerweile wesentlich billiger produzieren. Die Globalisierung erreichte langsam Mülfort, auch wenn das Unternehmen bis zu seinem Ende stets in Familienhand blieb.
1985 brachen schließlich Umsätze aus der Produktion bunter Tücher für den afrikanischen Markt weg. Eine Firma aus den Niederlanden kontrollierte den Markt dafür wie ein Monopolist. Ernst H. Schulze-Bresges reichte die Verantwortung in der Geschäftsführung mit 80 Jahren an seine Tochter Margret Speckmann weiter. 15 Jahre noch arbeitete das Unternehmen weiter.
Am 3. Juli 2001 stellte die Mülforter Zeugdruckerei und Färberei den Insolvenz-Antrag beim Amtsgericht Mönchengladbach. Der nun aktuelle Geschäftsführer Gerrit Bresges und der Insolvenzverwalter waren zuversichtlich, die Unternehmensgeschichte fortführen zu können. Auch wenn strukturelle Verschiebungen in der Branche seit 1985 zu Umsatzrückgängen (nun etwa 60 Millionen Mark im Jahr), kleineren Aufträgen und geringerem Ertrag geführt hätten. Bresges erklärte, die Eigentümer hätten Verluste im zweistelligen Millionen-Bereich aus dem Privatvermögen ausgeglichen. Da hatte die Mülforter noch 250 Mitarbeiter und beschäftigte 160 von ihnen weiter.
Doch die Situation war offenbar dramatischer als angenommen: Im Febraur 2002 entschied der Gläubigerausschuss, die Produktion ab März 2002 auslaufen zu lassen. Die Mülforter machte endgültig zu. Das Ende einer großen Mönchengladbacher Textilgeschichte.
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