Mönchengladbach: Demo-Aufruf verhindert Kreisliga B-Spitzenspiel
VON THORSTEN GÖRTZ UND KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 25.10.2007Mönchengladbach (RPO). Es war das Topspiel des elften Spieltages: Türkiyemspor Mönchengladbach gegen Welate Roj. Ein türkischer Verein gegen einen kurdischen. Der Dritte der Fußball-Kreisliga B Mönchengladbach/Viersen, Gruppe 1, gegen den Zweiten. Beide Mannschaften haben alle bisher absolvierten zehn Spiele gewonnen.
Doch eine angekündigte Demonstration hat dieses Treffen verhindert. Der Fußballkreis hat es abgesagt, weil „die Sicherheit aufgrund der politischen Lage nicht garantiert werden konnte“, teilte Thomas Klingen, Vorsitzender des Kreisfußball-Ausschusses mit. Einen neuen Termin für die Partie gibt es nicht. Auch das C-Kreisligaspiel Türkiyemspor 2 gegen Taunus Rheydt wurde gestrichen.
Hintergrund sind die türkisch-kurdischen Konflikte an der Grenze der Türkei zum Irak, wo es gestern kämpferische Auseinandersetzungen gab. Im Internet und per Kurzmitteilungen wurden Türken aufgerufen, an geplanten Demonstrationen gegen die kurdische Untergrundorganisation PKK in Mönchengladbach, Düsseldorf, Köln und Neuss teilzunehmen. Die Bezirkssportanlage in Mülfort, wo Türkiyemspor und Welate Roj am Sonntag um 15 Uhr gegeneinander antreten sollten, sollte danach zum Treffpunkt werden. „Es ist die einzige Möglichkeit zu einem türkisch-kurdischen Treffen in unserer Region. Der Aufruf war in allen türkischen Cafes in Gladbach das beherrschende Thema“, weiß Süleyman Baybuga. Der Türke ist Trainer der Reserve des Rheydter Spielvereins.
Die Absage des Spiels sei sinnvoll. „Man kann zu 99 Prozent davon ausgehen, dass da etwas vorgefallen wäre. Allerdings nicht auf dem Spielfeld, sondern am Rande“, sagte Baybuga. Die Spieler, egal ob Türken oder Kurden, hätten keine Probleme miteinander. „Sie kennen sich alle und treffen sich bei vielen Spielen“, sagt er.
„Von einer Demo weiß ich nichts. Der Verband hat uns mitgeteilt, dass nicht für die Sicherheit garantiert werden könnte und deswegen das Spiel auf unbestimmte Zeit ausfällt“, sagte Attila Günes, Trainer Welate Roj gestern der RP. „Ich bin enttäuscht. Der Kreis hat das Spiel schon im Vorfeld so hochgepuscht, indem er Schiedsrichter und einen Beobachter angesetzt hat. Man sollte lieber den Ball flach halten. Von unserer Seite hätte es sicherlich keine Probleme gegeben – weder von den Spielern noch von den Zuschauern“, so Günes weiter.
Metin Karabas, Vorsitzender von Türkiyemspor, hätte lieber gespielt: „Eigentlich habe ich dafür kein Verständnis, auch wenn ich die Einzelheiten noch gar nicht kenne. Für mich ist es einfach nur ein Fußballspiel. Ich glaube nicht, dass es da Ärger gegeben hätte. Wir haben im Vorfeld schon für genügend Ordner gesorgt. Letztes Jahr gab es gegen Welate ja auch keine Probleme.“
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