Mönchengladbach: Den Akku wieder aufladen
zuletzt aktualisiert: 18.09.2008Mönchengladbach (RPO). Erst Feuer und Flamme, dann plötzlich ausgebrannt: Wer beruflich zu schnell Gas gibt, läuft Gefahr, durch das „Burnout-Syndrom“ auf Sparflamme runterschalten zu müssen. Ein Gespräch mit einem Experten.
Das Burnout-Syndrom
Ursprung Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger prägte den Begriff 1973, als er häufige Krankshcreibungen auf hohe Arbeitsbelastung zurückführte.
Prominente Patienten: Skispringer Sven Hannawald, Fußballer Sebastian Deisler, Rapper Eminem.
Über die Ursachen von Stress und über mögliche Wege aus Stress-Situationen heraus äußert sich im Gespräch der in Mönchengladbach niedergelassener Psychiater und Psychotherapeut Dr. Jürgen Vieten.
Der Begriff „Burnout-Syndrom“ ist in aller Munde. Wie kommt das?
Vieten Ein griffiger Begriff, der inzwischen im Sprachgebrauch verankert ist und dadurch eine Beliebigkeit erfahren hat. „Burnout“, also übersetzt ausgebrannt, ist natürlich schön verständlich. Aber eigentlich nicht korrekt. Der Begriff „Burnout-Syndrom“ ist vor 15 Jahren aufgekommen. Lange Zeit wurden die Symptome mit einer Depression verwechselt. Heute würde man das so genannte „Burnout-Syndrom“ mit einer „depressiv gefärbten Anpassungsstörung“ übersetzen. Also ist es eine Störung und keine Krankheit. Aber die korrekte Bezeichnung ist natürlich weniger schick und ein sehr sperriges Wort.
Woran erkennt man ein „Burnout-Syndrom“?
Vieten Der Betroffene ist auch am Tag müde, zieht sich zurück, die auslösende Aufgabe (zum Beispiel Arbeit) nimmt immer mehr Raum ein, er wird unkonzentrierter, kann sich kaum noch anderen Tätigkeiten oder anderen Menschen zuwenden. Er lacht weniger, die Gefühle verarmen, er fühlt sich schnell „gestresst, überfordert“, reagiert dann zum Beispiel mit Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden. Das Selbstbewusstsein schwindet, Ängste verstärken sich, leichtere Schlafstörungen treten hinzu, man ist auch am Tage müde. Zusätzlich setzen Kompensationsmechanismen ein, wobei der Patient vermehrt Alkohol und Zigaretten konsumiert.
Wie kann man diese Störung behandeln?
Vieten Entspannung, Erholung und Wellness sind für den Körper wichtig. Der Patient muss abschalten können und eine Auszeit vom stressigen Job nehmen. Auch Sport oder Autogenes Training sind gute Mittel dabei, um sich selbst und den Stress zu regulieren. Ein Trick: Man sollte sich immer irgend etwas vornehmen, was einem Spaß macht, und mit sich selbst einen Termin vereinbaren.
Und was kann man sonst noch tun?
Vieten Vor allem sollte man auch langfristig seine Lebensumstände verändern. Wenn es am Job liegt und man dem Stress und den Herausforderungen nicht mehr gewachsen ist, sollte der Patient die Abteilung oder Position wechseln. Wer es selbst nicht schafft, nach Erkennen des Problems von der auslösenden Tätigkeit zu lassen, der profitiert von einer Psychotherapie oder einer stationären Heilbehandlung in einer psychosomatischen Klinik. Man kann einzelne Symptome, wie Schlafstörung, innere Unruhe beziehungsweise Spannungsgefühle und Ängstlichkeit kurzfristig medikamentös lindern. Dies sollte aber der Facharzt tun, da manche wirksamen Medikamente abhängig machen können.
Gefährdet die depressiv gefärbte Anpassungsstörung die Gesundheit?
Vieten Durch das ständig angespannte Stresssystem hat der Körper mehr Adrenalin und Cortison im Körper. Dies führt wiederum zu Hautproblemen, Herzrasen, Durchfällen und Magenproblemen, die das Entstehen von Geschwüren fördern können. Auch ist der Körper durch ein geschwächtes Immunsystem anfälliger für Infektionen.
Elfi Vomberg sprach mit dem Psychotherapeuten Dr. Jürgen Vieten.








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