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Mönchengladbach: Denkmäler erzählen Geschichte

VON NICOLE GONSIOR - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010

Mönchengladbach (RPO). Etwa 100 Denkmäler für die Verstorbenen der Einigungskriege und der Weltkriege gibt es im Stadtgebiet – doch nur wenige kennen sie. Die Teilnehmer einer Stadtrundfahrt brachen nun auf, um die Denkmäler zu erforschen.

Karl Boland (r.), Politikwissenschaftler und zweiter Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung, führte die Teilnehmer zu den Kriegs-Denkmälern.  Foto: RPO
Karl Boland (r.), Politikwissenschaftler und zweiter Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung, führte die Teilnehmer zu den Kriegs-Denkmälern. Foto: RPO

STADTMITTE Sie liegen überall in der Stadt verteilt, manche versteckt, andere für jeden sichtbar an Plätzen, in öffentlichen Gebäuden oder auf Friedhöfen: Denkmäler zur Erinnerung an die Verstorbenen der Einigungskriege unter Bismarck und der Weltkriege. Etwa 100 von ihnen sind noch in der Stadt erhalten, glaubt Karl Boland, Politikwissenschaftler und zweiter Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung. Die Gedenkstätten zu finden und mehr über ihren Urpsrung zu erfahren, dazu brachen er und die Teilnehmer einer Stadtrundfahrt auf.

Neun Denkmäler steuerten die Teilnehmer an, viele weitere präsentierte Boland anhand von Fotos während der Busfahrt durch die Stadt. Zu der Tour hatte die Theo-Hespers-Stiftung eingeladen. "Wir veranstalten einmal im Jahr eine Stadtrundfahrt, immer mit kritischen Fragestellungen an die Heimat- und Lokalgeschichte", erklärte Boland. "Hinter jedem Denkmal steckt eine andere politische oder religiöse Gruppe, die damit einen Teil ihrer Kultur zum Ausdruck bringen wollte – daran kann man Stadtgeschichte diskutieren."

Info

Theo-Hespers-Stiftung

Stiftung Die Hespers-Stiftung zur Aufgabe gemacht, an das Leben des Widerstandkämpfers Theo Hespers zu erinnern und gegen Rechtsextremismus zu kämpfen.

Namensgeber Theo Hespers war ein Gladbacher Widerstandskämpfer, der 1933 vor den Nazis in die Niederlande floh und von dort aus Widerstand betrieb. Versteckt in Belgien lebend, wurde er 1942 verhaftet und ein Jahr später zum Tode verurteilt.

Die Gedenkstätten sind überall im Stadtgebiet verteilt, trotzdem kennen sie nur die wenigsten. "Die Heimatvereine pflegen die Denkmäler meistens nur, eine kritische Auseinandersetzung findet selten statt", erklärt Boland. In den 1870er Jahren entstanden die ersten Denkmäler in Mönchengladbach. Damals gedachten die Menschen hauptsächlich den gefallenen Soldaten der Kriege, meist bei prunkvollen Militärfeiern. Erst in den 1920er Jahren begann man damit, auch den zivilen Opfern zu gedenken – so zeigen die Denkmäler eine gesellschaftliche Entwicklung.

Teilnehmer Leopold Korgir beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit den Denkmälern in der Stadt. Sein Interesse begann, als ihm eine Gedenkstätte auf dem Marktplatz in Bettrath aufgefallen war. "Damals bin ich stutzig geworden, weil auf der Tafel von der Verteidigung der Heimat im ersten Weltkrieg die Rede war, dabei war das doch ein Angriffskrieg", sagte er. Korgir begann, nach den anderen Denkmälern in der Stadt zu suchen und nutzte schließlich die Stadtrundfahrt, um sein Wissen zu erweitern. "Ich habe vieles über die Denkmäler gelernt, was ich noch nicht wusste, das war interessant", erzählte er. "Vor allem von den Beispielen, die es gar nicht mehr gibt, hätte ich anders nie erfahren."

Auch Hildegard Meuser hat die Rundfahrt genossen. "An vielen Denkmälern geht man unbemerkt vorbei, ohne zu wissen, was sich dahinter verbirgt", sagte sie. Doch ab sofort will sie in der Stadt die Augen nach den Denkmälern offen halten.

Quelle: RP

 
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