Mönchengladbach: Der Anfang vom "END" ist gemacht
VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 25.09.2008 - 11:30Mönchengladbach (RPO). Mit Ausschachtungsarbeiten am Museum Abteiberg haben die Vorbereitungen zu dem überdimensionalen Tunnel des Rheydter Künstlers Gregor Schneider begonnen. Bis 8. November soll sein Projekt „END“ fertig sein. Ein Jahr lang wird das schwarze Loch als „Superzeichen“ auf das Museum aufmerksam machen. Kosten: gut 400.000 Euro.
So schnell wie sie anrückten, haben sie wieder das Weite gesucht. Vorgestern fuhren Bagger auf die Rasenfläche an der Abteistraße. Wo nach den alten Plänen des Architekten Hans Hollein der zweite Bauabschnitt für das Museum Abteiberg entstehen sollte, wird der Untergrund bereitet für ein großes Kunstprojekt. Gestern ruhten die Arbeiten für „END“. Passanten sehen einige aufgetürmte Haufen Erde und in den Untergrund gefräste Spuren.
14 Quadratmeter großer Trichter
Entlang diesen etwa sieben Meter breiten Spurrillen, gerade mal 20 Zentimeter tief in den Boden gekratzt, soll der überdimensionale Tunnel verlaufen, den der Rheydter Künstler Gregor Schneider als neuen Zugang zum Hollein-Haus entworfen hat. Das rund 70 Meter lange Bauwerk wird in einen 14 mal 14 Meter großen, quadratischen Trichter münden, durch den Besucher die schwarze Konstruktion betreten, die von den Gangways auf Flughäfen inspiriert scheint.
Wer hineingeht, betritt einen total abgedunkelten Gang, der sich in den Ausmaßen rasch verjüngt, dann wenige Meter vor dem Museum nach links abknickt und schließlich auf eine versetzte Zinkseitenwand des Museums trifft. „END“ nennt Gregor Schneider seine begehbare Skulptur, die ab 8. November voraussichtlich ein Jahr lang das Museum in den Blickpunkt der internationalen Kunstzene rücken soll.
Der mysteriöse Tunnel endet in einem vergleichsweise winzigen Loch in der Museumswand. Der neue Zugang zu den Schauräumen wird nach Schneiders Plänen gerade mal ein Quadratmeter groß sein. Kein bequemer Zugang also für Museumsbesucher. Wer sich dort hindurch quetscht, gelangt in ein Ensemble von sechs Räumen des 39-jährigen Künstlers.
Darunter befinden sich die vom Museum bereits erworbene „Abstellkammer“ und das mit Landes- und Stiftungsmitteln jüngst für das Museum angeschaffte „Kaffeezimmer“ aus dem „Haus UR“. Das Haus UR ist ein Ensemble von Räumen, die Gregor Schneider vor Jahren in seinem Elternhaus an der Unterheydener Straße gestaltete. Erstmals komplett gezeigt wurde das Innenleben von Haus UR 2001 bei der Kunstbiennale in Venedig.
„Es war wichtig, dass der Künstler selbst die Installation für das Museum Abteiberg entwirft“, erklärt Museumsleiterin Susanne Titz. „Insofern erweitert Gregor Schneiders Projekt auch Fragestellungen, die das Mönchengladbacher Museum seit jeher ernst genommen hat: eine Sicherung, Darstellung und Vermittlung von komplexen Werken der Gegenwartskunst, die neue Herausforderungen an die Rolle eines Museums stellen“.
Titz sieht END als „Superzeichen“, mit dem das Museum aus seiner innerstädtischen Randlage heraus treten kann. Vielleicht wird sich das Bauwerk ja als „schwarzes Loch“ im Volksmund wiederfinden.
Den Löwenanteil der Kosten für das Projekt END, für das insgesamt 407.000 Euro veranschlagt werden, übernehmen das Land NRW, die Kunststiftung NRW sowie der Künstler selbst. Gregor Schneider schießt rund 150.000 Euro zu.
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