Mönchengladbach: Der berühmteste Flüchtling der Welt
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 29.09.2007Mönchengladbach (RPO). Schon mit viereinhalb Jahren wurde aus dem Bauernsohn Lhama Dhondrub der 14. Dalai Lama. Im Verständnis der Tibeter ist der Dalai Lama, auch „Ozean des Wissens“ genannt, eine Verkörperung Avalokiteshvaras, des Buddhas des Mitgefühls. Stirbt ein Dalai Lama, macht sich eine Kommission aus Mönchen auf die Suche nach seiner Reinkarnation. 1940 wurde der kleine Junge in Tibets Haupstadt Lhasa inthronisiert und heißt seither Tenzin Gyatso. Seine Ausbildung begann er im Alter von sechs Jahren. Unterrichtet wurde er in Dialektik, tibetischer Kunst und Kultur, Grammatik und Sprachwissenschaft, Medizin und buddhistischer Philosophie.
Mönchengladbach, 17. Mai 2008, Flughafen – Halle 6, 10 Uhr
Der Kartenvorverkauf beginnt am Montag, dem 1. Oktober 2007 um 10 Uhr. Karten sind zum Preis von 40 Euro und 25 Euro bundesweit an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet unter www.ticketonline.com sowie über die telefonische Kartenbestellung 01805/4470 (0,14 Euro/Min. aus dem Festnetz) erhältlich.
1950 marschierten chinesische Truppen in Tibet ein. Der Dalai Lama übernahm wegen der sich stetig zuspitzenden Lage die Regierungsgeschäfte ungewöhnlich früh: Mit knapp 16 Jahren war er auch das weltliche Oberhaupt der Tibeter. Seine erste Amtshandlung: Er ließ alle im Gefängnis Inhaftierten frei, die er vorher stets von seinem Palast aus mit einem Fernrohr beobachtet hatte.
Verhandlungen mit Mao
1954 reiste er nach Peking, um mit Mao den Frieden auszuhandeln. Der junge Dalai Lama war beeindruckt vom großen Mao und anfänglich von dessen guten Absichten überzeugt. Es dauerte eine Weile, bis er registrierte, dass der Kommunist ihn um den Finger zu wickeln versuchte. 1959 eskalierte der Konflikt. Die Chinesen schlugen einen Volksaufstand der Tibeter blutig nieder, rund 90 000 Tibeter starben. Der Dalai Lama flüchtete unter abenteuerlichen Umständen auf einem Pony aus seinem schon umzingelten Palast.
Sein Exil fand er im nordindischen Dharamsala, wo er seit 1960 Oberhaupt der demokratischen Exilregierung ist. 1987 schlug der Dalai Lama einen Fünf-Punkte-Friedensplan vor. Er fordert Autonomie für Tibet, das jedoch Bestandteil der Volksrepublik China bleiben soll. Für seine Bemühungen um die gewaltfreie Lösung der Tibet-Frage bekam er 1989 den Friedensnobelpreis. Als warmherziger, bescheidener und humorvoller Botschafter des Friedens genießt der 72-Jährige weltweit hohe Anerkennung. Zu seinen Verehrern gehören Hollywood-Größen wie Richard Gere, der inzwischen einen Gutteil seiner Zeit in Dharamsala verbringt. In Deutschland setzt sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch seit Jahren für die Rechte Tibets ein.
Westliche Staatschefs meiden Treffen mit dem Dalai Lama, da diese stets erbitterte Reaktionen aus Peking zur Folge haben. So sorgte der als privat deklarierte Meinungsaustausch Angela Merkels mit dem Oberhaupt der Tibeter vergangene Woche für eine ernsthafte Krise im deutsch-chinesischen Verhältnis.
Zum Weiterlesen Dalai Lama: Das Buch der Freiheit. Autobiographie (Bastei Lübbe, 8,95 Euro), Erich Follath: Das Vermächtnis des Dalai Lama (Collection Heyne, 19,90 Euro).
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