Mönchengladbach: Der Chauffeur der Fans
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 17.12.2007Mönchengladbach (RPO). Mehr als 10.000 Fußball-Zuschauer nutzen an den Heimspieltagen Borussias die Shuttle-Busse des NVV. Die Fahrer melden sich sogar freiwillig, um die Fans zu transportieren. Für Horst Theuerzeit ist der Job aber nur noch ein Hobby.
Horst Theuerzeits Arbeitsplatz war 30 Jahre lang ein Bus. Für die Stadtwerke und die NVV hat er täglich Linienbusse durch die Straßen seiner Heimatstadt gekurvt. Klar, dass der 67-Jährige nach seiner Pensionierung nicht so einfach aufhören konnte. „Als ich den Anruf bekam, ob ich nicht an den Heimspieltagen von Borussia einen der Shuttle-Busse fahren möchte, habe ich nicht lange gezögert“, sagt Theuerzeit. Seit dreieinhalb Jahren fährt er die Wagen, die mehrere tausend Fußball-Fans von den Hauptbahnhöfen in Rheydt und Mönchengladbach bis zum Borussia-Park fahren.
Der Arbeitstag am Sonntag begann für die 70 Busfahrer schon am Vormittag. Nach der Einsatzbesprechung und dem Plan, wer welche Bahnhöfe ansteuert, ging es raus auf die Straße. „Wir haben immer Fahrer, die sich freiwillig für den Dienst an Spieltagen melden“, sagt Erich Wolters, bei der NVV Leiter der Abteilung Fahrbetrieb. Wie viele Mitarbeiter genau im Einsatz sind, entscheidet die wahrscheinliche Zuschauerzahl nach Absprache mit Borussia und der Polizei. „Da wir mit 40 000 Fans rechneten, gingen wir davon aus, etwa 14.000 Passagiere zum Nordpark zu fahren“, sagt der 59-Jährige.
150 Personen pro Bus
Die Leerfahrt: Wenn die Wagen auf einer Tour keine Personen transportieren, dürfen sie auch über die Autobahn 61 zum Bahnhof nach Rheydt fahren.
Die andere Route: Wenn einer der Busse nicht ganz voll ist, schicken die Einsatzleiter die Fahrer für einen Stopp am Alten Markt vorbei.
Die Busse: In den Gelenkzügen haben 150 Personen Platz, in den Solowagen sind es 80 Menschen.
Vom Hauptbahnhof in Rheydt würden etwa 2000 Zuschauer mehr fahren als vom Europaplatz aus. „Viele Fans wissen, dass wir da direkt am Gleis stehen“, sagt Wolters. Außerdem dauere die Fahrt über die Mittelstraße, Espenstraße und vorbei am Krankenhaus einige Minuten weniger als von Gladbach aus.
Horst Theuerzeit hat zunächst den Auftrag, vom Busbahnhof aus zu fahren. „Das kann sich aber später noch ändern“, weiß er. „Je nachdem, was los ist.“ Auf der Hintour, für die er über die Flieth-, Bahn- und Aachener Straße 20 Minuten braucht, sei oft mehr los als nach dem Spiel. Das dürfen die 70 Fahrer sogar sehen. „Wir kommen 15 Minuten nach Spielbeginn, müssen aber auch eine Viertelstunde vor dem Abpfiff wieder zurück zum Wagen, den wir in der Nähe vom Hockeystadion parken“, erklärt Theuerzeit, dessen Herz eigentlich für den Rheydter SV schlägt. „Schöne Spiele von Borussia schaue ich mir aber auch gerne an.“
Probleme mit den Fans hatte er nie – weder mit den Borussen, noch mit denen des Gegners. „Ich erlebe nur Positives“, sagt Theuerzeit. Einige Mitfahrer verabschieden sich sogar per Handschlag und wünschen Frohe Weihnachten. „Wenn Borussia gewinnt, ist der ganze Bus immer total euphorisch“, weiß der Chauffeur. „Aber auch bei Niederlagen in der vergangenen Saison war die Stimmung nicht schlecht.“ Bei einem Unentschieden, wie gestern gegen den SC Paderborn, wird lediglich nochmal über die ein oder andere Spielszene diskutiert.
In drei Jahren werden für Theuerzeit aber auch die Aushilfs-Fahrten vorbei sein. „Es ist zwar mein Hobby, Bus zu fahren“, sagt er. „Aber ich habe meiner Frau versprochen, dass ich mit 70 aufhöre.“ Auch wenn es dann bestimmt erneut nicht einfach wird.
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