Mönchengladbach: Der Coup mit Esprit
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 01.05.2010Mönchengladbach (RPO). Die Stadt braucht Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Deshalb war die Freude gestern groß, als der Modekonzern Esprit und der Logistiker Fiege in Güdderath den Grundstein für eine Riesenhalle legten. Sie soll 2011 fertig sein.
Mehr als 500 Arbeitsplätze. Eine Gesamtinvestition von rund 60 Millionen Euro. Und mit dem Modekonzern Esprit und dem Logistiker Fiege zwei Unternehmen, die zu den Top-Adressen ihrer Branche gehören. Als gestern im Regiopark der Grundstein für ein neues Logistikzentrum für Esprit gelegt wurde, herrschte eitel Sonnenschein. Es gab jede Menge Komplimente. Vom enormen Einsatz der Stadtverwaltung und der Wirtschaftsförderung berichteten die Unternehmen. NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) stellte Mönchengladbach als "richtigen Standort" heraus. Und Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) sprach von einer riesigen Chance, die Leitbranchen Textil und Bekleidung sowie Logistik noch stärker in der Stadt zu positionieren.
Ambitionierter Zeitplan
Während die Festgäste in einem auf dem Parkplatz aufgebauten Zelt Reden hörten und danach zu Schnittchen griffen, wurde direkt nebenan fleißig gearbeitet. Denn der Zeitplan ist ambitioniert: Die 180 mal 180 Meter große und 16 Meter hohe Halle mit dem markanten roten Esprit-Schriftzug soll bereits im Oktober fertig sein. Alleine 30 Millionen Euro kostet die aufwendige Lagertechnik, die frühestens im 1. Quartal des nächsten Jahres installiert ist. Eigentümerin der neuen Immobilie wird die Union Real Estate GmbH.
Bis die Arbeitskräfte – 120 hoch qualifizierte Kräfte, dazu 400 Lagerarbeiter – benötigt werden, wird noch einige Zeit vergehen. Trotzdem: Für die Stadt ist die Esprit-Ansiedlung ein Coup. Denn acht Städte kämpften darum, Standort zu werden. Deshalb ist die Erleichterung auch im Nachhinein zu verstehen, die OB Bude überfiel, als er Ende 2009 mitten in der Nacht per SMS erfuhr, dass die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen wurden. "Danach konnte ich ruhig schlafen", sagte er gestern. Bude machte auch deutlich, dass der Esprit-Standort in einem Gewerbegebiet liegt, das die Stadt gemeinsam mit der Gemeinde Jüchen entwickelt hat. "Die Zusammenarbeit war sehr gut und ganz auf Konsens statt auf Konkurrenz ausgerichtet", berichtete er. Davon profitieren Esprit und Fiege gleichermaßen. Denn der Regiopark verfügt über gute Anbindungen an Straße, Schiene und Luft. In 40 Ländern will Esprit von hier aus sämtliche Kleidung verschicken und, wie Geschäftsführer Ernst-Peter Vogel von der Esprit Europe GmbH betonte, die "nächste Wachstumsphase" für den Konzern einläuten.
Dass die Esprit-Rechnung aufgeht, darauf hoffen der Logistiker Fiege und die Stadt. Das Unternehmen hat sich per Option ein weiteres, 160 000 Quadratmeter großes Gelände gesichert und plant einen Ausbau, wenn Esprit seine Expansion fortsetzt. Für Dr. Hugo Fiege, Vorstandsvorsitzender der Fiege Stiftung & Co. KG, ist das Vorhaben in Mönchengladbach deshalb ein Meilenstein. Und die Stadt hofft insgeheim auf weitere Arbeitsplätze – und Gewerbesteuer.
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