Mönchengladbach: Der Druck der Neonazis
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 18.03.2008Mönchengladbach (RPO). Dass die politische Mitte wegbricht, nutzt nicht nur der Linken. Die Rechtsaußen werden in Gladbach immer präsenter. Das Bündnis „Aufstehen“ hält im Mai mit zwei Aktionswochen für Freiheit und Menschenrechte dagegen.
Sie sitzen im Rat, sie machen Musik, sie sprechen gezielt Jugendliche in Vereinen und auf Schulhöfen an: Rechtsextreme setzen viel daran, gesellschaftsfähig zu werden. Und sie haben längst nicht nur eloquente Werber, sondern auch das nötige Geld. „Der Druck wird auch in Mönchengladbach stärker. Wir machen uns große Sorgen“, sagt Ferdinand Hoeren, Sprecher des Bündnisses „Aufstehen für Menschenwürde“. Von der wirtschaftlichen Lage und dem Werteverfall der Eliten profitieren nicht nur die Linken, ist sich Hoeren sicher. Er hört am neu eingerichteten Sorgen-Telefon viele kleine Beispiele rechter Gewalt. In den vergangenen Wochen meldeteten sich anonym zwei, die gerne aus der Szene aussteigen wollen. „Sie haben große Angst vor den Folgen“, sagt Hoeren.
Lesungen und Diskussionen
Er will sich nicht länger auf ein Hase-und-Igel-Spiel einlassen. „Die machen was, und wir reagieren dann“, beschreibt Hoeren die klassische Aufklärungsarbeit. Das Bündnis will fortan vermehrt präventiv arbeiten und plant dazu im Mai eine umfangreiche Veranstaltungsreihe. Zwei Wochen lang wird es Lesungen und Diskussionen zum Thema Freiheit und Menschenrechte geben – umrahmt von zwei Gedenktagen. Zum Auftakt am Samstag, 10. Mai, jährt sich zum 75. Mal die Bücherverbrennung in Deutschland. Zwar brannten in Mönchengladbach keine Bücherberge. Autoren wurden jedoch verfolgt. Und Gottfried Kapp, einer der bekanntesten von ihnen, stürzte 1938 bei einem Gestapo-Verhör unter mysteriösen Umständen aus dem Fenster. Bei der Auftaktveranstaltung im Rheydter Rathaus wird Dr. Paul Eßer, Vorsitzender des Schriftstellerverbands Rheinland, an das Schicksal der Gladbacher Literaten erinnern.
„Doch wir wollen bewusst nicht nur die schlimme Vergangenheit in den Mittelpunkt rücken, sondern Positives dagegen setzen“, erklärt Hoeren. Dafür sorgt der zweite Gedenktag am Freitag, 23. Mai. An diesem Tag wird an das Grundgesetz erinnert. Textstellen aus der Verfassung sollen auf großen Bannern auf Gebäuden wie dem Rathaus, der Kaiser-Friedrich-Halle, der Hochschule und der Musikschule zu lesen sein. Redner auf der Abschlusskundgebung ist der frühere Bundesjustizminister Dr. Jürgen Schmude.
Noch steht nicht das komplette Programm. Hochschule, Museum, Schulen und Parteien werden sich voraussichtlich an den beiden Aktionswochen beteiligen. Dass mitten in der Woche einer der weltweit prominentesten Kämpfer für Freiheit und Menschenrechte nach Mönchengladbach kommt, ist purer Zufall: Der Dalai Lama spricht am 17. Mai auf Einladung des Initiativkreises. Ferdinand Hoeren: „Ganz ehrlich: Daran haben wir gar nicht gedacht. Aber das passt natürlich wunderbar.“
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