Mönchengladbach: Der Fußball wird weiblich
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 28.08.2009 - 09:43Mönchengladbach (RPO). Auch Freitagabend werden viele Frauen beim Borussia-Spiel mitfiebern. Fußballverrückte Fans wie die Oecotrophologie-Studentin Svenja Rahner haben die Männerdomäne Fußball erobert und sorgen für neue Zuschauerrekorde. Inzwischen gibt es sogar eine ganze Palette von Fan-Produkten für Frauen.
Von Andreas Gruhn Von Fußball verstand Svenja Rahner schon immer eine Menge. Das erste aber, was sie über den Rasensport lernte war, dass dieser Männersache ist. „In den 80ern war die Emanzipation eben noch nicht so weit”, sagt sie. Heute ist die 24-Jährige im Besitz von zwei Dauerkarten für Borussia. Die für die Heimspiele in Block 16, mitten in der Nordkurve, und die für die Auswärtsspiele.
Seit drei Jahren hat sie kein Spiel Borussias verpasst. Sie besucht mit ihrem Freund Länderspiele, und wenn es sonntags einmal langweilig wird, darf es auch mal die Zweite Bundesliga oder ein Amateurkick sein. Svenja Rahner, die nach Gladbach kam, um Oecotrophologie zu studieren, ist das, was man einen fußballverrückten Fan nennt. „Das ist mein Hobby, mir macht das Spaß. Ihr geht eben zum Reiten”, erklärt sie Freunden, die ihre Fußballbegeisterung nicht verstehen können.
Vereine In 218 Vereinen sind rund 90.000 Mitglieder organisiert.
Aktive Es gibt in Gladbach 21.000 Sportlerinnen in allen Sportarten.
Fußball 15 der 34 Mönchengladbacher Vereine haben Mädchen- oder Frauenmannschaften.
Borussia hat zwei Frauen- und vier Mädchen- Mannschaften.
Dabei ist Svenja Rahner ein Paradebeispiel für das, was Statistiker längst errechnet haben: Der Sport ist weiblich geworden. Auch in Mönchengladbach. In der vergangenen Saison waren laut einer Studie des Instituts „Sport + Markt” 23 Prozent der Stadionbesucher weiblich. Vor 15 Jahren waren es gerade zehn Prozent. Zwölf Prozent der mehr als 40.000 Mitglieder Borussias sind Frauen. Mit den „Rautentussis” und den „Borussenstuten” gibt es sogar zwei rein weibliche Fanclubs.
Vereinssprecher Markus Aretz hat erkannt: „Der Anteil weiblicher Fans hat deutlich zugenommen.” Der Verein hat darauf reagiert und Fanartikel speziell für die weibliche Taille ins Merchandising-Programm aufgenommen. Svenja Rahner schätzt am Fußball „das Drumherum, die Emotionen und die sozialen Kontakte”. Doch Frauen schauen nicht nur gerne zu. Auch die Amateurvereine in der Stadt bemerken einen regen Zulauf an Frauen, die selbst Fußball spielen wollen. Im Stadtsportbund, in dem alle Vereine der Stadt Mitglied sind, sind seit Jahren konstant 21.000 der 52.000 Mitglieder Frauen.
Doch während sie früher vor allem in der Leichtathletik, beim Tanzen und beim Turnen überrepräsentiert waren, steigt der Anteil der Fußballerinnen rasant an. Viele Vereine werben aktiv um Frauen und Mädchen, selbst in Grundschulen. „Wo früher nur Völkerball gespielt wurde, gibt‘s heute auch mal Fußball” sagt Thomas Klingen, Vorsitzender des Kreisfußball-Ausschusses.
Allein in den vergangenen Monaten haben mit Odenkirchen-Süd, Blau-Weiß Meer und dem SV Lürrip drei Vereine eine neue Frauenmannschaft gegründet. Der FSC hat in Lira Bajramaj eine Nationalspielerin ausgebildet. Und Borussia hat seine Frauenmannschaft mittlerweile bis in die Regionalliga gebracht.
Über all dem steht die Frauen-Fußball-WM 2011, von der drei Spiele in Mönchengladbach ausgetragen werden. „Das zieht natürlich”, sagt Stefan Lamertz, Sportwart beim Stadtsportbund. Die WM 2011 dürfte für Svenja Rahner der endgültige Beweis sein, dass sie sich fürs Studium die richtige Stadt ausgesucht hat. Der Grund nämlich, warum sie nicht in Münster studiert hat, war: „Borussia.”
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