Mönchengladbach: Der gespaltene Verlierer
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 31.08.2009 - 00:18Mönchengladbach (RPO). Norbert Post war lange nicht sicher, ob er seinen geliebten Beruf als Landtagsabgeordneter gegen das Amt des Oberbürgermeisters eintauschen wollte. Darum ist die Niederlage für ihn auch erleichternd - wenn er im Mai, wie abgesprochen, wieder für die CDU kandidieren darf.
Vor der Konzertmuschel an der Kaiser-Friedrich-Halle war genau 99 Stunden vor Schließung der Wahllokale eine symbolträchtige Szene zu beobachten. Norbert Post hatte gerade seine letzte große Rede in diesem Wahlkampf gehalten, noch mal gegen SPD, Linke und FDP geledert und seinen besten Wahlkämpfer, den NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, angekündigt.
Der erklomm gemeinsam mit Generalsekretär Hendrik Wüst die Treppe zur Bühne als ihnen Post auf den Stufen entgegen kam. Er war auf dem Weg nach unten, wollte den beiden die Bühne überlassen. Der schmächtige Wüst zog Post am Ärmel, um ihn wieder auf die Bühne zu dirigieren. Nur so konnten die Fotografen Bilder machen, die Post und Rüttgers gemeinsam zeigten.
Norbert Post
Geboren Juni 1952 in Gladbach
Familie Mit seiner Frau Ursula hat er zwei erwachsene Söhne
Beruf Lehrer an der Kath. Hauptschule Stadtmitte, Huma und Gymnasium Neuwerk, Rektor an der Gesamtschule Hardt
Politik Seit 1984 Bezirksvorsteher in Neuwerk, seit 1889 des Stadtrates und seit 2000 im Landtag
Hobbies Wandern, Lesen, plattdeutsche Texte schreiben
Motto „Nicht reden, anpacken!”
Gefolgschaft verweigert
Über Norbert Post sagt diese Szene zweierlei. Erstens: Die große Bühne ist seine Sache nicht. Die Show, das Blitzlichtgewitter, bei dem der Schein größer ist als das Sein, sind ihm zuwider. In der Zeit liest er lieber ein paar Akten oder führt Fachgespräche. Und zweitens: Ein bisschen musste Post gezogen werden in diesen Wahlkampf und auch während des Wahlkampfs. Natürlich hat er alles gegeben in den vergangenen Wochen. Und natürlich war es für den Mönchengladbacher mit viel Leib und noch mehr Seele ein Traum, Oberbürgermeister seiner Heimatstadt zu werden.
Doch es gab Abers. Und zwar große. Post litt noch immer darunter, dass ihm die eigene Partei vor fünf Jahren die Gefolgschaft verweigert hatte. Verständlicherweise. Denn man braucht keine großen Kristallkugeln, um zu wissen: Damals hätte Post gegen Bude locker gewonnen. Doch die CDU nominierte lieber Wimmers. Der Rest ist Geschichte.
Drum hat er lange gezaudert, ob er dem Werben seiner Partei, 2009 als Oberbürgermeister-Kandidat anzutreten, nachgeben sollte. Als er am 2. Mai 2007 dem Kreisparteivorstand bekannt geben sollte, ob er nun antritt oder nicht, wussten selbst engste Freunde noch eine Stunde vorher nicht, was er tun würde. Und er selbst auch nicht.
Das hat nur teilweise mit der Verletzung über die verpatzte OB-Wahl 2004 zu tun. Norbert Post liebt seinen Beruf als Landtagsabgeordneter so sehr, dass man als Beobachter fast den Eindruck gewinnen könnte: Da hat einer seine Bestimmung schon gefunden. Wie er sich in die Sacharbeit stürzt, Themen systematisch verstehen will, um Gerechtigkeit ringt und bei allem Harmoniebedürfnis streitet, das hat im besten Sinne etwas Leidenschaftliches.
Als die Minister und die Kollegen aus der eigenen Landtagsfraktion zwei Wochen vor der Kommunalwahl frotzelten, nun seien sie ihn ja bald los, blinzelte der 57-Jährige ein bisschen verwirrt. „Ich? Ich bin hier bald wirklich weg?”, schien er sagen zu wollen. Selbst in der heißen Wahlkampfphase fiel es ihm schwer, von seinen Düsseldorfer Aufgaben zu lassen. Die Konkurrenz frotzelte: Hat die CDU tatsächlich einen OB-Kandidaten? Und auch in den eigenen Reihen wurde mancher ungeduldig: Wann fängt er an, richtig Gas zu geben?
Er hat sich auf der Zielgeraden hineingewühlt in den Wahlkampf, hat ihn ernst genommen wie alle seine beruflichen Aufgaben. Hat Termin über Termin gemacht. Mit Menschen geredet. Immer wieder die selben komplizierten Dinge einfach zu erklären versucht. Ganz am Ende, in den letzten beiden Wochen, da hatte man das Gefühl, dass er sich vollends versöhnt hatte mit dem Gedanken zu gewinnen. Oberbürgermeister zu werden.
Vielleicht war das zu spät. Vielleicht hat er innerlich ein bisschen zu lange gezaudert. Und vielleicht haben zu viele Wähler dieses Zaudern unterschwellig gespürt. All das wird nur eine Episode bleiben im Leben von Norbert Post. Er ist bodenständig genug, die Niederlage zu verkraften. Aus den Latschen kippt den Hünen so schnell nichts. Und außerdem: Er hat ja noch einen Traumberuf.
Sein Landtagsmandat endet im Mai. Dann wird neu gewählt. Er darf wieder für die Mönchengladbacher CDU antreten. So haben sie es ihm vor der OB-Kandidatur versprochen. Norbert Post, der selbst so verlässlich ist, hat in seiner politischen Karriere lernen müssen: Politische Versprechen haben manchmal eine kurze Halbwertszeit. Er kennt seine CDU, deren Vorsitzender er ist, gut. Zu gut. Er wird auf der Hut sein.
Ergebnisse, Sieger, Verlierer: Alle Infos zur Kommunalwahl finden Sie in unserem Special. Eine Übersicht über die Wahlergebnisse in den Städten und Gemeinden finden Sie hier.
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