Mönchengladbach: Der Gladbacher Zehnkampf
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 31.12.2009Mönchengladbach (RPO). Wer in dieser Stadt etwas erreichen will, braucht eiserne Disziplin. Dazu haben wir zehn Disziplinen aufgestellt, die 2010 äußerst dringend absolviert werden müssen – vom Dampf machen bis zum Schrumpfen. Wir wünschen viel Glück: Höher, heller, heiter. . .
1. Dampf machen Ein neuer Auftakt: Disziplin Nummer eins löst im kommenden Jahr die Disziplin "Schwarz Sehen" ab. Wettkampfort ist der Abteiberg, Grünfläche vor dem Museum. Rekordhalter Robert Morris schafft es auf raffinierte Weise, Dampf aus just dem Boden aufsteigen zu lassen, wo vorher Gregor Schneiders ENDzeitvision jegliche Lichtblicke verschluckte. Wünschenswert: Eine neue Bestleistung im "Dampf machen". Am besten in diesem schwarzen Tunnel mit Trichter am Ende, den der Volksmund Hauptbahnhof nennt.
2. Tauchen Warum wird lange darüber nachgedacht, dass ein Gebäude der Stadt rein statisch nicht sicher genug sein könnte für die vielen, vielen Akten? Wo man doch herrlich in selbige eintauchen, darin versinken kann.
Das Problem lässt sich lösen: Man nehme ein denkmalgeschütztes Pahlkebad, fülle das 50-Meter-Becken mit jenen Akten (ob nun von Stadtverwaltung oder Staatsanwaltschaft, ist Nebensache) und springe mit angemessenem Beinkleid (rot-grün-gelber Strampler oder schwarze Robe) hinein. Titelverteidiger im Aktentieftauchen ist übrigens Erich Oberem, und zwar mit Bestleistungen für die Ewigkeit: Er soll es beim ersten Tauchgang auf 51 327 Seiten gebracht haben – ohne Luftholen.
3. Malen Falls es in der ein oder anderen Sitzung langweilig werden sollte (dort punkten eher die Taucher), lässt sich prima ein kurzweiliger Wettbewerb einberufen. Wer als erster etwas Mehrheitsfähiges für Haus Westland (braune Buntstifte sind aus!), das Zentralbadgelände oder das JHQ (nicht zu viel Grün nehmen) aufmalt, hat gewonnen. Der Ratsherr von heute hat praktischerweise immer ein Mäppchen Buntstifte dabei, und notfalls hilft der Kämmerer aus. Mit angespitztem Rotstift.
4. Zahlen Kommt direkt nach "Malen" und hängt zwangsläufig damit zusammen. Gilt speziell in Mönchengladbach angesichts des Haushaltes als die Königsdisziplin des Zehnkampfes. Wer hier punktet, geht traditionell auch als Sieger hervor. Man munkelt, die einfachste Methode sei, im Rheydter Müllberg nach einer Goldader zu buddeln. Wer die findet und dann nicht für sich behält, dem sei die volle Punktzahl garantiert.
5. Tanzen Bitte auf so vielen Hochzeiten wie möglich. In dieser Disziplin ist der langjährige Rekordhalter Reiner Brandts nach Publikumsentscheid in diesem Jahr ausgeschieden, was Spannung für 2010 verspricht. Denn es braucht neue Kandidaten mit ganz viel Ausdauer auf dem rutschigen Parkett. Wer in vielen Aufsichtsräten, Gremien und Ausschüssen allerdings den Takt angeben will (passende Musik von "Ich und Ich"), darf nicht scheuen, dem Konkurrenten kurz galant auf den Fuß zu treten und dabei Haltung zu bewahren. Aber aufgepasst: Gelegentlich stolpert man selbst.
6. Ducken Achtung, es wird scharf geschossen. Gerne auch parteiintern. Hier kommt es darauf an, möglichst schnell unter dem Maltischchen abzutauchen (hat nichts mit Disziplin Nummer zwei zu tun!) und dabei gleichzeitig noch die ein oder andere Spitze selbst abzusetzen. Wer in dieser Disziplin seine Schwäche sieht, der kann unauffällig möglichst schief durch die Gegend pfeifen. Das signalisiert: Ich kann nicht tanzen (Disziplin Nummer fünf).
7. Heben Wir stemmen etwas zusammen. Was, das wissen wir nicht. Hauptsache, wir tun es zusammen. Sonst verhebt man sich in dieser Stadt sehr schnell, beispielsweise beginnt in Giesenkirchen die neue Zeitrechnung eben nicht 2015.
8. Pausieren Wer zu ausdauernd einem Problem hinterher hechelt, läuft Gefahr, sich in etwas zu verrennen. Deshalb: Atempausen gönnen und lieber noch einmal zum Buntstift greifen. Sicher ist sicher.
9. Klettern Als Geistlicher ist man natürlich nah bei Gott. Nun ermöglicht es die Kirche St. Peter Waldhausen auch Normal-Sterblichen, dem Irdischen zu entrücken. Mit einer Kletterwand in der Kirche, was zugegebenermaßen ein sehr weltlicher Weg gen Himmel ist. Wer aber in der Kirche erfolgreich geübt hat, kann sich gleich in Disziplin Nummer vier von Neuem versuchen und den Schuldenberg mit 1,2 Milliarden Metern in Angriff nehmen. Zwar gibt es auf dem Weg nach oben keine Absicherung, dafür aber wächst der Berg in den kommenden Jahren von alleine in den Himmel! Ehre in der Höhe.
10. Schrumpfen Wer in dieser Stadt verehrt werden will, muss sehr klein, blond und schnell mit dem Ball am Fuß sein, dazu noch Marko heißen. Alternativen mit Namen Marco werden gerade noch akzeptiert. Wer sich mit diesen Eigenschaften zu Fuß in den Straßenverkehr wagt, umdribbelt jedes Schlagloch so gekonnt, wie es das Volk an den Herren Marin und Reus liebt. Ihr Vorteil: Sie sind mit den Augen näher am Boden.
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