Mönchengladbach: Der größte jecke Zoo der Welt
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 24.02.2009 - 18:25Mönchengladbach (RPO). Großwildjäger verbündeten sich mit wilden Tigern und tapsigen Bären. Hund, Katze, Maus wurden die besten Freunde. Und der Elefant stand auf dem Kopf. Jedes Tierchen hatte Veilchendienstag sein Pläsierchen. Und das hatten auch die 365.000 schunkelnden Jecken, die die Straßen säumten.
Die Bären hatten es gut. Sie schunkelten sich in ihren pelzigen Ganzkörperkostümen lecker warm. Und sangen dazu: Ja, mir san mem Radl do. Was gar nicht stimmte. Was aber auch gar nichts machte. Die Großwildjäger hatten Besseres zu tun, als sich an die vielen wilden Tiere heran zu pirschen, die die Straßen der Stadt bevölkerten. Obwohl einige gut brüllten, andere spitze Schreie ausstießen, weswegen viele schon nach der Hälfte des Zugweges heiser waren. Auch das - egal.
Elefant und Krokodil liefen Arm in Arm, Kuh und Esel bützten so schön, und Hund, Katze, Maus vertrugen sich einfach herrlich. Und mancher Pinguin entpuppte sich als verhexter Rabe. Jedes Tierchen hatte sein Pläsierchen - so sollte es ja auch sein. Ein schöner, ein friedlicher Veilchendienstagszug war das, der geschlagene vier Stunden durch die trockenen (!) Straßen zog und 365.000 Jecke begeisterte.
Müll und Feuerwehr
Müll 90 Mitarbeiter der GEM sorgten dafür, dass die Straßen nach dem Zug von Müll und Scherben befreit wurden. Das Ergebnis: 14,1 Tonnen Müll fielen an - ähnlich viel wie in den Vorjahren.
Feuerwehr Die Feuerwehr meldete etwas mehr Vorkommnisse als im Vorjahr. Insgesamt sei es aber ruhig gewesen.
Alle Tiere hatten Spaß? Nein, nicht alle. Ein einzelnes Schaf war nicht ganz so gut dran. An seinen vier Hufen wurde heftig gezerrt. Wie auf der Streckbank lag das arme Vieh auf dem Rücken, hin und her gerissen zwischen vier Kirchen. Eine schmerzhafte Zerreißprobe - so auch der Titel des Mottowagens, den der MKV aktuell-theologisch-kirchenpolitisch zum Thema Gemeindefusionen aufgestellt hatte. Da hatte es der wahlmüde Gladbacher Bürger besser. Den trugen die Politiker zur Urne. Damit bloß keine Stimme verloren geht. Keine allzu schlechte Idee im Superwahljahr 2009.
Jedem Tierchen sein Pläsierchen: Mit diesem Motto konnte jeder Jeck etwas anfangen. Es war fast egal, ob als Frosch, als Igel oder Eisbär irgendwie sahen alle schön aus. Und manche waren noch ein bisschen schöner. Beispielsweise die Neuwerker Rennschnecken. Die übrigens kein bisschen rannten, sondern einfach nur gemächlich in angemessenem Tempo durch die Straßen schlüpften. Wie sich das für eine närrische Schnecke gehört, die nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Haus zu tragen hat. Und das dann auch noch mit Anmut.
Oder auf diese närrische Idee muss man erst mal kommen die Bücherwürmer. Die langen Schlakse von der Turnerschaft Lürrip hatten sich selbst durch einen Bücherstapel gefressen, um mit diesem, möglichst ohne anzuecken, auch noch witzige Tanzbewegungen zu vollführen. Wer hätte jemals vorher einen Wurm tanzen sehen und gar einen Bücherwurm. Klasse! Die jecken Küken aus Wickrath waren gerade erst aus dem Ei geschlüpft, da stapften sie schon munter hinter dem imposanten Gockel und der gackerten Henne her. Eine feine Schar, die die Kreuzherren da ins Rennen geschickt hatten.
Zum ersten Mal beteiligte sich eine Gruppe von Theaterleuten und -freunden am Veilchendienstagszug. „Zieht den Karren aus dem Dreck” wünschten sie sich angeführt vom dollen Klaus (Brose), der die dicke Trumm schlug und für mächtig Stimmung sorgte. In Anspielung auf die Finanzmisere schritten sie in güldenen Capes voran. Manche trugen aber auch schon den Kopf unter dem Arm. Und dann waren da auch noch die leckeren Jecken, die als sich als Bienen outeten, die summ, summ, summ ein bisschen anders rum summen.
Mehr als 4200 närrische Tierchen, 79 Festwagen, 31 Musikkapellen, viele davon aus den Niederlanden und aus Belgien, 26 Tanz- und Funkengarden, fünf Reitergruppen und drei Kutschen zogen an Niersia Ilona und Prinz Marcus I. vorbei. Die standen stundenlang auf ihrem schicken Hofgefährt und nahmen begeisterte Ovationen, Millionen fliegender Bützchen und Milliarden Halt Pohl und All Rheydt entgegen. Bevor sie sich endlich ans Ende des Zuges setzen und durch die Straßen ziehen konnten. Sehnlichst schon erwartet von ihrem närrischen Volk.
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