Mönchengladbach: Der Kampf um das Altpapier
VON BIRTHE ROSENAU UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.04.2008Mönchengladbach (RPO). Die Gladbacher freuen sich über ihre neue Blaue Tonne. Auch die Politiker sind froh, dass die Stadt vom Geschäft profitiert. Denn die Privaten stehen in den Startlöchern. Sie bieten Bürgern Bares für den begehrten Rohstoff.
Das kleine Wortspiel mochte sich Gabi Teufel, Geschäftsführerin der GEM, nicht verkneifen. „Hier ist heute der Teufel los.“ Die Nachricht in der Rheinischen Post, dass die Gladbacher ab sofort eine Blaue Tonne bestellen können, hat einen wahren Run ausgelöst. Am Samstag war es noch vergleichsweise ruhig an den GEM-Telefonen. „Viele haben wohl nicht damit gerechnet, dass wir auch am Samstag arbeiten“, mutmaßt Teufel. Doch gestern bekamen die sechs Mitarbeiter, die eigens zum Telefondienst Blaue Tonne abbestellt worden waren, heiße Ohren. Außer Bestellungen gab es viel Lob. „Die Leute sind froh, wenn sie nicht mehr Papierbündel schnüren müssen“, berichtet Gabi Teufel.
Blaue Tonne = Große Tonnen?
Einer allerdings hob den warnenden Zeigefinger: Erich Oberem, der einst als Dezernent über die Tonnen-Frage stolperte und heute Fraktionsvorsitzender der FWG ist. Zur Pflicht dürfe die Tonne fürs Altpapier nicht werden. Oberems Sorge: Durch die Hintertür sollten auch für den Restmüll große Tonnen eingeführt werden. „Das funktioniert in Mönchengladbach nicht. Mit der engen Bebauung sind wir nicht auf große Müllgefäße eingerichtet“, sagt Oberem.
Die beiden Fragen hätten nicht das Geringste miteinander zu tun, versichert Rolf Besten, Fraktionsvorsitzender der CDU. Es sei wichtig, dass die Stadt am Geschäft mit dem Altpapier verdiene. Sehr sinnvoll sei es deswegen auch, Betriebe mit Blauen Tonnen auszustatten. Die haben sie laut GEM-Chefin Gabi Teufel jedoch schon lange.
Ein Geschäft mit dem Papier wollen und können nicht nur Unternehmen machen. Im Osten Deutschlands gibt es seit fünf Jahren die „Papierbank“, ein Franchise-Unternehmen, das in 40 Filialen das Altpapier ihrer Kunden entgegennimmt – und dafür zahlt.
Wer sein Papier gebündelt abgibt oder, mit Kundennummer versehen, in einem der Papiercontainer des Unternehmens einwirft, bekommt fünf Cent pro Kilogramm Papier auf seinem „Papierkonto“ gutgeschrieben. „Ab einer Summe von zehn Euro können sich unsere Kunden ihr Guthaben in Bargeld auszahlen lassen“, erklärt Petra Götting vom Kundenservice der Papierbank.
Auch in Nordrhein-Wesfalen seien Filialen geplant. „Es gibt etwa 150 Anfragen von interessierten Franchisenehmern“, weiß Götting. Darunter aus Mönchengladbach. Bis zur Eröffnung einer Filiale in der Stadt könne es nicht mehr lange dauern. Götting ist sich sicher: „Da tut sich noch in diesem Jahr etwas.“
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