Mönchengladbach: Der König trat erst in letzter Sekunde an
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010 - 17:43Mönchengladbach (RPO). Er war einer der ersten Gratulanten, und er wollte am liebsten den neuen Bezirkskönig Michael Keinath (46) gar nicht mehr aus den Armen lassen: Markus Keinath (24) ist genau wie sein Vater Mitglied der St. Hubertus Schützenbruderschaft Herrenshoff – und er weiß genau, wie viel die Königswürde seinem Vater bedeutet.
Denn der neue Bezirkskönig Michael Keinath ist 2007 an Krebs erkrankt. Schon am Montag steht in der Uni-Klinik Aachen eine wichtige Untersuchung an, die darüber entscheidet, ob ein neuerlicher Eingriff nötig ist. Darum hatte Michael Keinath noch bis zum Samstagmorgen gezögert, ob er überhaupt antreten sollte. Erst nach einem Telefonat mit Bezirksbundesmeister Horst Thoren, der ihn ermunterte mitzuschießen, ließ er sich auf die Liste setzen.
Elf Könige – so viele wie schon lange nicht mehr – versuchten, den Holzvogel, der in den Werkstätten des Volksvereins entstanden ist, herunterzuholen. Früh wurde er arg gerupft. Und doch dauerte es am Ende bis zum 126. Schuss. Vor diesem hatte Michael Keinath noch einmal den in Rom geweihten Rosenkranz durch seine Finger gleiten lassen. Sekunden später gab es auf dem Kapuzinerplatz kein Halten mehr.
Der Herrenshoffer ist Bäckermeister – und rief nach dem erfolgreichen Schuss als erstes seine Frau Claudia an. Das Amt des Bezirkskönigs kennt er aus nächster Nähe. 2002 war er nämlich Minister. „Ich weiß, was auf mich zukommt. Und darum freue mich so.“
Zur Seite stehen ihm als Minister Klaus Vieten von der St. Rochus Schützenbruderschaft Broich-Peel und Jochen Bensberg St. Josef Schützenbruderschaft Geistenbeck. Beide sicherten dem neuen Bezirkskönig ihre volle Unterstützung zu. Und Bensberg dachte sicher auch an den Montag, als er sagte: „Michael, dieses Jahr werden wir gemeinsam genießen.“
Keinath autorisierte Horst Thoren, bei der Krönungsmesse seine Erkrankung zu erwähnen. Allerdings bat er auch um nicht zu viel Aufmerksamkeit: „Lasst uns nicht nur über diese Sache reden. Ich will kein Mitleid. Ich will feiern.“
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