Mönchengladbach: Der Leutnant aus der „Brücke“
VON PETRA DIEDERICHS - zuletzt aktualisiert: 29.09.2008Mönchengladbach (RPO). Tobias Wessler ist am Montag in der Neuverfilmung des Antikriegs-Klassikers zu sehen. Theaterzuschauer kennen ihn als Allrounder. Seine Falsettstimme in „Shockheaded Peter“ ist markerschütternd, und in „Johnny Cash“ glänzt er mit Country-Stimme. Seine Karriere begann als Robinson.
Persönlich
Geboren 9. Oktober 1971 in Wuppertal.
Theater In Krefeld ist er derzeit in „Johnny Cash – The Beast in me“ und ab 9. Oktober in „Shockheaded Peter“ zu sehen; in Mönchengladbach spielt er ab 28. November im Musical „Swinging St. Pauli“ einen Barbesitzer.
Beruf Neben Theater und Film tritt er auch bei Events auf, produziert Dokumentationen.
Auf der Leinwand hat Tobias Wessler den Film schon vorab gesehen. Aber sich selbst und die Kollegen im Fernsehen zu erleben, das ist noch mal was anderes. Deshalb schaltet er Montag um 20.15 Uhr Pro 7 ein. Wessler spielt in der Neuverfilmung des Antikriegs-Klassikers „Die Brücke“ unter der Regie von Wolfgang Panzer den Leutnant Fröhlich. „Es geht ja vor allem um die jungen Leute“, sagt Wessler. Um die, die im April 1945 direkt von der Schulbank als Hilfssoldatern eingezogen werden, um die Stadt-Brücke vor den anrückenden Amerikanern zu verteidigen. „Die Erwachsenen-Rollen sind kleiner.“ Aber mit Franka Potente, Felix von Manteuffel und Anderen prominent besetzt.
„Elvis habe ich geliebt“
„Klar, es ist ein Risiko, den starken Film von Bernhard Wicki noch mal neu zu machen. Aber es war notwendig. Die Figuren sind zu weit weg: Fritz Wepper in Lederhosen erreicht junge Leute nicht mehr. Dann kommt auch die Brutalität des Krieges nicht mehr so abschreckend rüber. Das Thema aber bleibt wichtig.“
Am Filmset liebt Wessler „die Professionalität und die Eigenverantwortlichkeit des Schauspielers in seiner Rolle. Dort gibt es ja weniger Zeit zum Proben als am Theater.“ Aber ohne Theater leben, „das könnte ich gar nicht“, betont er. Die intensive Zeit der Proben und die Eigendynamik, die ein Stück bekommt, das sich chronologisch entwickelt, die reizen den 37-Jährigen. Die „Elvis“-Revue hat er geliebt, „weil die Zuschauer sie so geliebt haben“ und auch in „Johnny Cash“ ist der Funke bei ihm übergesprungen: „Die Songs, die wir machen, finde ich toll.“
Vor elf Jahren stand er erstmals an den Vereinigten Städtischen Bühnen auf den Brettern. „Auch wenn ich einen Gastvertrag habe, fühle ich mich als Ensemblemitglied: Das ist mein Theater“, erklärt der Wuppertaler. Denn hier wird er gefeiert – ob mit Countrystimme oder im Falsett wie bei „Shockheaded Peter“. „Das ist das Tolle an diesem Theater: Hier darf man sich auch amüsieren.“
Sein Talent hat seine Mutter früh gefördert: „Als Säugling war ich nur mit klassischer Musik zu beruhigen. Das deutete sie als Zeichen, dass ich musikalisch sei.“ mit vier Jahren bekam er seine erste Geige, mit sechs spielte er Klavier, bei den Pfadfindern brachte er sich die ersten Akkorde auf der Gitarre bei. Er blies bei Martinszügen die Trompete, um Geld zu verdienen für ein Schlagzeug. „Ich spiele kein Instrument so perfekt, dass es zum instrumentalisten reichen würde“, findet der Allrounder. Denn es fehlen ihm die Pubertätsjahre, in denen der Fußball die Musik verdrängt hat.
Aber Schauspielerei hat Tobias Wessler nicht erst in der Theater-AG für sich entdeckt. Schon als Achtjähriger stand er vor der Kamera, der Super-8 seines Cousins. Wessler spielte Robinson Crusoe.
„Das lag nahe, wir sind auf Langeoog aufgewachsen“, sagt er. Und Wessler war Einzige, den der Cousin besetzen konnte. Der damals Zehnjährige ist übrigens auch beim Film gelandet – allerdings hinter der Kamera.
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