Mönchengladbach: Der Luxus der freien Zeit
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 03.07.2007Mönchengladbach (RPO). Helmut Freuen, der erste gesamtstädtische Oberstadtdirektor, arbeitet auch mit 74 Jahren noch: als Anwalt. Obwohl er in seiner Heimatstadt selten ausgeht, kommt er viel herum. Er reist mit seiner Frau Anneliese in alle Welt.
Vieles hat sich verändert im Leben von Helmut Freuen. Manches bleibt. Neben dem Telefon im Wohnzimmer liegt immer noch das aktuelle interne Telefonverzeichnis der Stadtverwaltung. Und die Tage beginnen so wie einst, als Freuen Chef dieser Verwaltung war: „Wenn ich morgens nicht als erstes die Zeitung lesen kann, werde ich krank.“ Was sich in der Stadt tut, an deren Zusammenwachsen er maßgeblich beteiligt war, will Freuen noch immer wissen. Und zwar genau. So genau, dass seine Frau Anneliese schon mal neckend fragt: „Lernst Du die RP wieder auswendig?“
Nach dem Frühstück fährt Freuen auch mit 74 Jahren noch täglich zur Arbeit: in die Kanzlei Dr. Backes + Partner. Dort betreut er Mandanten, die Rechtsbeistand gegen die Verwaltung wollen: sei es wegen einer Baugenehmigung oder einer Aufenthaltserlaubnis. Dabei setzt Anwalt Freuen wenn eben möglich auf außergerichtliche Einigungen. „Für mich ist die Behörde noch immer nicht der natürliche Feind des Bürgers“, sagt er.
Börsenkurse verfolgen
Nach dem Mittagessen setzt sich Helmut Freuen daheim an den Computer. Allerdings nicht etwa, um Schriftsätze zu verfassen, sondern um die Börsenkurse zu verfolgen. Sinkende Kurse verhageln ihm nachhaltig die Laune: „An Rückschläge gewöhnt sich der Anleger Freuen nicht mehr“, sagt er selbstironisch. Als Luxus empfindet er das nachmittägliche Kaffeetrinken mit seiner Frau. „Dazu hatten wir früher nie die Zeit. Das genießen wir jetzt.“ Als Oberstadtdirektor war er den ganzen Tag bis tief in den Abend hinein verplant. Die Folge: „Ich gehe heute ungern aus. Ich hatte in meinem Leben wohl einfach zu viele Termine.“ So schlägt er einige offizielle Einladungen aus.
Ein Stubenhocker ist Helmut Freuen gleichwohl nicht. Im Gegenteil. Er hat in den vergangenen Jahren das Reisen entdeckt. Die Gruppenreisen führten die Freuens unter anderem nach Südafrika, China, Indien und Usbekistan. Akribisch bereitet sich das Paar auf die Touren vor, hat mittlerweile eine ansehnliche Reisebibliothek. Und bald eine Digitalkamera. „Wir sind die letzten, die immer noch einen Film einlegen“, sagt Freuen. Der 74-Jährige freut sich, bei seinen Besuchen in der Verwaltung ein gern gesehener Gast zu sein. Was ihn wundert, ist, wie selten Verantwortliche auf seinen Wissensschatz zurückgreifen. Über 25 Jahre war er Oberstadtdirektor. „Das ganze Wissen ist noch da“, sagt Freuen. Zum Beispiel über die Kommunale Neugliederung 1975. Wenn er heute in Diskussionen hört, dass das ganze Geld immer nach Gladbach geflossen sei, kann sich der gebürtige Rheydter fürchterlich aufregen: „Das ist purer Populismus.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







