Mönchengladbach: Der Minister im Ramadan
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 25.08.2010Mönchengladbach (RPO). NRW-Integrationsminister Guntram Schneider besuchte die Diyanet-Gemeinde in Mülfort, um mit den Mitgliedern das Fasten zu brechen. Für die rund 250 Muslime ein großes Fest, für den Minister ein Teil einer großen Aufgabe: "Der Islam gehört in die Mitte der Gesellschaft."
Als die Limousine mit den getönten Scheiben vorfährt, steht die Sonne noch zu hoch. Es ist 20.11 Uhr an diesem Montagabend. Für Muslime ist das im Ramadan zu früh, jedenfalls um zu Essen. Der extra aus der Türkei eingeflogene Koch hat die Speisen in der Moschee Diyanet an der Duvenstraße in Mülfort bereits zubereitet. Die Vorstände des Vereins, Adem Isik, Zekeriya Tapar, und Ögun Özkan begrüßen NRW-Integrationsminister Guntram Schneider. Der steigt aus der Limousine, sagt "'nabend" und gibt erst einmal Interviews. Er muss Stellung beziehen zur geplanten Islamschule in Eicken.
Für ihn wie für die rund 250 Mitglieder des Vereins ist es ein wichtiger Abend. Für die Muslime, weil das Fastenbrechen ansteht, zu dem sie hochrangige Gäste eingeladen haben. "Wir laden zum Fastenbrechen jedes Jahr Persönlichkeiten ein, damit sie sehen, wie der Zusammenhalt der deutschen und türkischen Bürger hier funktioniert", sagt Adem Isik, Sekretär des Vereins. Um 20.48 Uhr, wenn die Sonne an diesem Abend verschwunden ist, darf gegessen werden. Im Kellerraum sitzen Männer, Kinder, Frauen mit Kopftuch, Frauen ohne Kopftuch, und die vielen prominenten Gäste. Neben dem Minister der türkische Konsul Firat Sunel, Professor Dr. Ali Dere, Botschaftsrat für religiöse Angelegenheiten, und noch weitere Gäste. Sie warten, bis der Imam Ahmet Firat Candir zum Gebet ruft. Und die Mahlzeit, die das tägliche Fasten beendet, eröffnet. Für Minister Guntram Schneider und seine Staatssekretärin Zülfiye Kaykin ist dieser Besuch aber mindestens genauso wichtig. Denn die geplante Islamschule in Eicken hat aufgeschreckt, auch die Landesregierung. Sie sind nun in Sorge, Muslime könnten, wenn nicht unter Generalverdacht gestellt, so doch wenigstens gemieden werden von Bürgern. Das würde die Integration einer Religion, die längst zum Alltag in deutschen Großstädten gehört, empfindlich stören. In so einer Phase ist ein Integrationsminister gefordert. "Wir haben 1,4 Millionen Muslime in Nordrhein-Westfalen. Der Islam gehört in die Mitte der Gesellschaft. Er ist keine exotische Religion", sagt Guntram Schneider. "Wir versuchen diejenigen, die ihre Religion wahrnehmen wollen, abzuteilen von denen, die ihre Religion missbrauchen wollen."
Der Ramadan
Fastenmonat Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders.
Das Fasten in diesem Monat ist eine der im Koran verankerten religiösen Pflichten der Muslime.
Wann? Der Ramadan wird nach dem Mond bestimmt. Mittlerweile legen Kalender die genauen Uhrzeiten fest, zwischen denen gefastet werden muss.
Dann berichtet er davon, wie oft er islamische Gemeinden beim Fastenbrechen besucht hat. Er führt vertrauliche Gespräche mit den hochrangigen türkischen Gästen. Zwischendurch wird die Mahlzeit serviert, Nudelsuppe, Salat, Reis und Gemüse, dazu immer etwas Süßes. Alles, was am Tage verboten ist. Es gibt wenige Ausnahmen, zum Beispiel eine Schwangerschaft.
Der Ramadan läuft in diesem Jahr noch bis zum 8. September. Dann steht das dreitägige Fastenbrechen-Fest an, eines der höchsten Feste im Islam. Minister Schneiders Aufgabe, "eine durchdachte Integrationspolitik" zu betreiben, wie er es nennt, könnte länger brauchen.
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