Mönchengladbach: Derby: Wirte werden klagen
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 24.11.2009Mönchengladbach (RPO). Das Alkoholverbot war völlig übertrieben, der Imageschaden für die Stadt ist riesig. So bewerten die Wirte das Vorgehen der Stadt beim Spiel gegen Köln. Der Gaststättenverband wird sie bei ihren Klagen unterstützen.
Immer noch, exakt einen Monat nach dem Derby im Borussiapark am 24. Oktober, sind die Gastwirte sauer. Gestern formulierten sie ihren nachhaltigen Unmut wegen des damals verhängten Alkoholverbots auf der Jahreshauptversammlung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Kreisgruppe Mönchengladbach, im Best Western Crown-Hotel. "Die Wirte haben viel zu kurzfristig von dem Ausschankverbot erfahren", sagte Andreas R. Graf, Geschäftführer des Hotels und Präsident des Verbandes Nordrhein.
Was ihn noch mehr ärgert: "Wir sind überhaupt nicht nach unserer Meinung gefragt worden. Das angeordnete Alkohol-Verbot hat uns kalt erwischt. Das ist eine ausgesprochene Frechheit." Graf befürchtet einen nachhaltigen Image-Schaden für die Stadt. "So etwas bleibt im Kopf", ist er sicher. "Da wird es auch im Nachhinein immer heißen: In Mönchengladbach herrschen höllische Zustände."
Der 24. Oktober
54.051 Zuschauer kamen ins Stadion.
5000 Fans wurden aus Köln erwartet.
Etwa 1500 Kölner reisten in von der Bundespolizei begleiteten Zügen an.
142 gewaltbereite Kölner und 37 Mönchengladbacher durften weite Teile der Stadt am Samstag nicht betreten.
Unsicherheit ist groß
Der Geschäftsführer des Dehoga-Nordrhein, Christian Jäger, versteht die Wut der Gladbacher und Rheydter Gastwirte: "An diesem Tag hat mancher von ihnen einen Schaden in Höhe einer Monatspacht verkraften müssen." Und er betont: "Wir behalten es uns als Verband ausdrücklich vor, gegen die Stadt zu klagen." In jedem Fall werden sich die Gastwirte, die vor Gericht ziehen, auf die Unterstützung des Verbandes verlassen können, so Christian Jäger.
Vor allem die Wirte von der Rheydter Bahnhofstraße haben die Auswirkungen des Alkoholverbotes zu spüren bekommen. "Das Geschäft lebt von den Heimspieltagen", sagt Jäger. Und die Unsicherheit sei sehr groß: "Was kommt als nächstes? Gibt es vielleicht demnächst ein Alkoholverbot zu Karneval, beim Schützenfest oder auf der Kirmes?"
Graf und Jäger haben sich an Oberbürgermeister Norbert Bude gewandt, um ähnliche Maßnahmen für die Zukunft zu verhindern. Dieser habe daraufhin mitgeteilt, dass die Aktion insgesamt gelungen war. "Er hat aber auch geschrieben, dass er hoffe, dass so etwas nicht noch einmal nötig sein wird", sagt Jäger. Die betroffenen Gastwirte haben Ordnungsdezernent Peter Holzenleuchter inzwischen ein Protestschreiben mit etwa 50 Unterschriften übergeben.
Im Nachhinein ist sich Andreas R. Graf ganz sicher: "Als ich an diesem Tag zum Stadion fuhr, habe ich die riesige Präsenz der Polizei gesehen. Das waren so viele Beamte, die hätten auch mit alkoholisierten Randalierern leicht fertig werden können." So aber hätten, so Graf, mehr als 50 000 Fans unter der "überkandidelten" Aktion der Stadt leiden müssen. Er selbst habe für drei Kilometer zum Stadion mehr als zwei Stunden gebraucht. "Beim nächsten Heimspiel waren 3000 Fans weniger im Stadion, da floss der Verkehr total normal."
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