Mönchengladbach: Dick im Geschäft
VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 22.04.2009Mönchengladbach (RPO). Schluss mit der Krise: Auf der Hannover Messe präsentieren sich seit Montag Gladbacher Firmen regelrecht hoffnungsvoll und stellen ihre Entwicklungen vor. Ex-Formel-1-Star Heinz-Harald Frentzen zeigte sich von so viel Ideenreichtum begeistert.
Technik, wohin das Auge nur reicht. Drohnen, die sich computergesteuert bewegen, Kleider aus neuartigen Fasern. Und inmitten ein Stück Mönchengladbach, das sich trotz Wirtschaftskrise ganz weit nach vorne kämpfen will. Ein Mönchengladbach, das für wenige Minuten gar ganz berühmt im 317 Kilometer entfernten Hannover zu sein schien, als sich Ex-Formel-1-Star Heinz-Harald Frentzen gestern am Gemeinschaftsstand der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG) und ihrem Hauptsponsor der Volksbank Mönchengladbach auf der Hannover Messe blicken ließ.
Für die Aussteller auf der Technologiemesse ein toller Moment, einen Star wie Frentzen bekommt man schließlich nicht alle Tage zu Gesicht. Er war der Einladung des NRW-Forums gefolgt, um bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Elektroantriebe der Zukunft" Staatssekretär Dr. Jens Baganz für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes NRW über umweltfreundlichen Motorsport und Hybrid-Rennwagen zu berichten. Zuvor aber zeigte er sich beeindruckt, was sich in Mönchengladbach getan hat. "Dass die Firma Hephata inzwischen 1800 Mitarbeiter beschäftigt, wusste ich gar nicht. Das ist ja super", sagte er.
Qualvolles Gefühl
Durch die Bank präsentierten sich die Mönchengladbacher Firmen mit Stolz, obwohl die Wirtschaftskrise im Nacken sitzt. Das qualvolle Gefühl kennt auch Klaus Sasserath von der IBG Monforts. Die Firma, die auf die Veredlung von Oberflächen spezialisiert ist, hat die Auswirkungen stark spüren dürfen, denn die Hauptkunden, die Auto- und Textilindustrie, brachen und brechen noch immer weg. "Trotzdem muss man weitermachen. Die Messe bietet Gelegenheit dafür. Wobei ein späteres Datum wohl geschickter gewählt gewesen wäre. Denn bei vielen Maschinenbauern trudelt erst jetzt die Krise ein, da fallen potenzielle Kunden weg", so Sasserath. Über einen leeren Stand konnte sich Geschäftsführer Achim Schulz von der Firma Diamant und Carmant nicht beklagen. Auch wenn es sich bei der Mehrheit nur um Schaulustige handelte, der getreue Nachbau eines Mercedes 300 SLR aus dem Jahre 1955 war der Hingucker schlechthin. Der sportliche Flitzer, der im Original mehrere Millionen kostet und unter anderem im Museum Stuttgart ausgestellt ist, "ist das Werbemittel schlechthin", sagte Schulz.
Auch Ex-Rennfahrer Heinz-Harald Frentzen zeigte sich von so viel Pracht begeistert, "obwohl der Wagen nun nicht gerade umweltfreundlich ist", fügte er schnell hinzu. Schulz Taktik funktionierte: Schon war er im Gespräch mit dem prominenten Messebesucher und klärte ihn über Reparaturmethoden seiner Firma auf.
"Wichtig ist vor allem, dass die Firmen die Messe trotz der Krise als Chance verstehen", sagte Dr. Ulrich Schückhaus von der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach und wies auf die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag hin. Chancen, die Gladbacher Firmen nutzen wollen. So wie die Firma CDL Präzisionstechnik. Geschäftsführer Claus-Dieter Landolt stellte unter anderem Gehäuseteile für Züge und U-Bahnen vor, die sie Dank einer Bahnzulassung produzieren dürfen. "Und die Hannover Messe lohnt sich. Allein im letzten Jahr konnten wir 15 Prozent unserer Kunden durch die Messe gewinnen", sagte er.
Zweifache Schallgeschwindigkeit
Ob die Messe sich auch für Ralf Winzen und seine Wasserstrahlschneideanlage der Firma Innomax auszahlen wird, steht noch in den Sternen. Von den Sternen scheint allerdings seine Maschine zu sein: In zweifacher Schallgeschwindigkeit schneidet sie die filigransten Formen aus den härtesten Materialien innerhalb nur weniger Minuten in einem Wasserbecken. Technik, die das Auge der Besucher beeindruckt.
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