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Mönchengladbach: Dicke Luft beim Studentenprotest

VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 17:19

Mönchengladbach (RPO). Seit vier Tagen besetzen Studenten das Audimax des Fachbereichs Sozialwesen an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Auch wenn der Hörsaal heute aussieht, wie ein großes Ferienlager: Das Anliegen der Studenten ist ernst. Das verschulte System der Bachelor- und Masterstudiengänge und die Belastung durch hohe Studiengebühren brennen unter den Nägeln.

Auch an der Hochschule Niederrhein protestieren die Studierenden.  Foto: Isabella Raupold
Auch an der Hochschule Niederrhein protestieren die Studierenden. Foto: Isabella Raupold

Die Protestfront bekommt feine Haarrisse. „Am Montag war es wesentlich voller”, berichtet Julia Schuster. Die 23-Jährige studiert im ersten Semester soziale Arbeit. Jetzt hat sie ihr Studium phasenweise unterbrochen, um den Studentenprotest im „Streifenhörnchen-Saal”, wie die Studenten des Fachbereichs Sozialwesen an der Hochschule Niederrhein ihr Audimax nennen, zu unterstützen. Die bunten Streifen an den Wänden geben dem Raum ein fröhliches Aussehen. Ein Gegensatz zu dem ernsten Anliegen, das die Studenten haben.

Die Luft im Hörsaal ist schwer geworden. Seit vier Tagen besetzen die Studenten das Audimax, um auf Missstände in der Studiumsorganisation aufmerksam zu machen. Die Studiengebühren von 500 Euro brennen den Studenten unter den Nägeln, aber auch das verschulte System der Bachelor- und Masterstudiengänge, die den Studenten kaum persönlichen Gestaltungsspielraum geben.

Auf der Bühne haben sich die Besetzer eine Art Lager eingerichtet. Ein großer Banner verkündet in bunten Buchstaben „Chuck Norris schafft den Bachelor in Regelstudienzeit”. Ein paar alte Autositze dienen als Sofa, auf dem es sich ein Mädchen zum Lesen bequem gemacht hat. Die Tische an der Wand sind zu Buffets mit Obst, Säften, Kaffeemaschine und Mineralwasserflaschen geworden. Schlafsäcke und vollgepackte Reisetaschen zeugen davon, dass der Hörsaal auch nachts von den Studenten besetzt gehalten wird.

„In der Nacht von Montag auf Dienstag waren viele da, in der darauf folgenden Nacht schon weniger”, sagt Julia Schuster. Vor ihrem Studium hat die 23-Jährige als Flugbegleiterin gearbeitet. „Durch den starren Stundenplan ist es jetzt sehr schwierig geworden, nebenher zu arbeiten.” Dass sie jetzt wieder von der finanziellen Unterstützung ihrer Eltern abhängig ist, wurmt die Studentin sehr. „Das ist für mich ein Rückschritt”, sagt sie.

„Die Gebühren müssen wir auch zahlen, wenn wir unser Praxissemester machen”, sagt Schusters Kommilitonin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Obwohl wir dann Vollzeit arbeiten, keine Vergütung dafür bekommen und nur zwei Stunden pro Woche hier sind, weil wir dann Anwesenheitspflicht haben.”

Für die Zeit der Besetzung haben die Studenten Arbeitsgruppen gebildet, in denen sie ihre Forderungen und Lösungsvorschläge formulieren. „Wir möchten, dass die Regelstudienzeit um ein Semester verlängert wird, aber dennoch die Möglichkeit offen bleibt, das Bachelorstudium in sechs Semestern zu absolvieren”, sagt Hilmar Schulz (23), Sprecher der Studenten. „Die Module sollten jedes Semester angeboten werden.” So hätten die Studenten die Möglichkeit, ihr Studium individueller zu gestalten.

„Bei einem Auslandssemester fällt man heute aus dem verschulten Studienplan raus und muss ein Jahr länger studieren”, sagt Schulz. Das sind zwei Semester, die mit 1000 Euro Studiengebühren zu Buche schlagen. Ihre Forderungen wollen die Studenten an die Dekane weitergeben. Schulz sieht sich und seine Mitstreiter auf einem guten Weg. „Die Bereitschaft im Rektorat über das Thema zu diskutieren war einigermaßen gut”, berichtet der Kulturpädagogik-Student. „Der Fachbereich Sozialwesen hat sich mit uns solidarisiert und Vorlesungen in andere Räume gelegt.”

Am Freitag wird abgestimmt, ob der Hörsaal auch am Wochenende besetzt bleiben soll.

Quelle: RP

 
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