Mönchengladbach: Die Deutsch-Schau
VON SEBASTIAN BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 12.03.2007Mönchengladbach (RPO). Spiegel-online-Redakteur Bastian Sick begeisterte mit seinen lustigen Sprachabweichungen die Zuhörer im Wickrather „Kunstwerk“. Nebenbei macht er so fleißig Werbung für seine Bücherserie „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“.
Sick kommt wieder
Seit Herbst 2006 tourt Bastian Sick mit seiner Schau durch das Land. Sein nächster Auftritt in der Region ist am 31. März im Düsseldorfer Schauspielhaus. Diese Veranstaltung ist schon ausverkauft. Weitere Termine stehen auf seiner Internet-Seite www.bastiansick.de.
Jeder Deutschlehrer würde vor Neid erblassen: 1000 Leute sind ins Kunstwerk nach Wickrath gekommen, um mehr über Dativ, Genitiv und die richtige Präposition zu hören. Der „Zwiebelfisch“-Kolumnist Bastian Sick hat viele knifflige Fragen mitgebracht: „Eine Zeitung, die alle 14 Tage veröffentlicht wird, erscheint a) vierzehntägig oder b) vierzehntäglich?“, fragt Sick und schaut in viele nachdenkliche Gesichter. Fast alle Zuhörer stimmen für Antwort A, und Bastian Sick fordert die anderen heraus: „Und, wer von Ihnen ist jetzt für B, vierzehntäglich?“. Nur wenige Arme gehen nach oben. Und dabei ist das die richtige Lösung. Staunen im Publikum. Sick erklärt: „Vierzehntägig würden bedeuten, dass die Zeitung nur 14 Tage lang erscheint und dann eingestellt wird.“
Grauer Lehrer-Look
Der Spiegel-online-Redakteur und Autor der Bücherserie „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ ist zum ersten Mal in Mönchengladbach und präsentiert „Die große Bastian Sick Schau“. Der 41-Jährige sieht ein bisschen so aus wie ein Deutschlehrer: Graues Sakko, weißes Hemd, aber keine Krawatte. Sein Blick wechselt zwischen Textvorlage und Publikum hin und her. Nur selten trägt er eine Passage frei vor. Aber der gebürtige Lübecker versteht es, die Menschen zu begeistern. Sicks Deutschstunde ist auch eine gute Verkaufsshow: Immer wieder verweist er auf seine drei Bücher und sein gerade erschienenes Spiel mit Fragekärtchen und Antworten.
„Bahnfahren ist toll. Sie kennen doch bestimmt die Durchsage ,Bitte in Fahrtrichtung links aussteigen’. Die Bahn wirft ihre Fahrgäste quasi heraus. Und dabei will ich doch weiterfahren.“ Ein lustiges Alltagsbeispiel reiht Sick ans andere. Durch seine gewachsene Popularität muss er die Beispiele nicht mehr alle selbst finden. Seine Leser schicken ihm Fotos oder Postkarten mit falschen Sätzen. So wirbt ein Schützenverein für Nachwuchs mit dem Satz „Werde Mitglied, lern schießen, treffe Freunde“. Eine Zeitung titelte auf einer Seite: „Deutscher wird Papst“ und „Teufel tritt zurück“. Gemeint war der Baden-Württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel. Lustig auch das Hinweisschild in einem Fachmarkt: „Lexica’s“, liest Sick von dem an die Wand projizierten Foto hinter ihm ab. „Drei Fehler in nur einem Wort: Da der Singular Lexikon ist, muss es korrekt ,Lexika’ heißen“, erklärt Sick. Die Pointe schiebt er nach: „Das ist übrigens aus dem Geschäft mit dem Slogan ,Ich bin doch nicht blöd’“. Lacher im Publikum.
Auch amüsant: Eine Firma aus Ratingen wirbt mit ihrem Braut- und Festkutschenverleih. „Dort bekommen Sie also nicht nur die Kutsche, sondern auch gleich die Frau geliehen“, kommentiert Sick. Richtig ins Grübeln geraten seine Zuschauer bei der Frage, welches deutsche Wort sich hinter „Begaxel“ verbirgt. „Nein, keine Ahnung? Ganz einfach, das soll Bäckergeselle heißen und die Schreiberin stammt aus Schwaben.“
Mit einer nicht so gelungenen Gesangseinlage verabschiedet sich Bastian Sick nach zwei Stunden von seinen Fans. Die feiern ihn mit lang anhaltendem Applaus.
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