Mönchengladbach: Die erste Konferenz, die keine sein will
VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 04.09.2009Mönchengladbach (RPO). Es ist ein bohrendes Gefühl der Ungeduld. Der Redner mit seiner Powerpoint-Präsentation spult in professioneller Gleichgültigkeit sein Programm ab, während die Zuhörer darum kämpfen, nicht gleichgültig einzunicken. Genau diese Momente aus zahllosen Konferenzen, Tagungen und Sitzungen könnte es bald nicht mehr geben. Ein neues Konferenz-Konzept aus den USA bezieht alle Konferenz-Teilnehmer aktiv in die Veranstaltung ein. Nun findet das erste "Barcamp" in Mönchengladbach statt.
"In anderen Städten funktioniert das System sehr gut", sagt Organisator Till Terschüren. Doch eigentlich ist das Wort Organisator schon übertrieben: Denn eine Rednerliste und einen Tagesablauf gibt es beim Barcamp nicht. Jeder soll und muss sich nach seinen Fähigkeiten und Interessen einbringen. Wer Experte auf einem Gebiet ist, setzt sein Thema spontan auf die Tagesordnung – und hofft, dass sich jemand dafür interessiert. Denn auch das gehört zu Barcamp: Es gibt keine Verpflichtung zuzuhören. Ist ein Vortrag langweilig, kann es gut sein, dass sich der Raum schnell leert – und der Redner alleine dasteht. Konferenzen im Internet-Zeitalter erfordern interaktive Kommunikation – und werden bei schlechter Leistung mit Nichtbeachtung gestraft. Schließlich ist das nächste Thema wie im Internet nur einen Klick weit entfernt.
Klingt chaotisch, aber funktioniert
Was chaotisch klingt, funktioniert in der Praxis erstaunlich gut, wie Veranstaltungen in Berlin und Essen zeigen. Es sind Freudenfeste für Organisations-Soziologen mit anarchistischen Idealen.
Das Ziel der Veranstalter: Fixe Strukturen aufbrechen und neue Kontakte zwischen den Teilnehmern vermitteln. So ist es normal, dass während eines Barcamp-Vortrags Zuhörer gleichzeitig mailen, twittern, bloggen und sich mit anderen Teilnehmern unterhalten. Vor allem junge Unternehmer und Kreative aus der Informationsgesellschaft nutzen die neue Konferenz-Form. "Es könnte eine echte Alternative zu normalen Konferenzen werden", sagt Terschüren. Der 24-jährige Webdesigner sieht das erste Barcamp in Mönchengladbach als Experiment – und Startrampe für weitere Aktionen. Zahlreiche Teilnehmer hat er bereits für das erste Barcamp unter dem Motto "Neues Arbeiten" gewonnen – und zudem die städtische Wirtschaftsförderung als Unterstützer gefunden. Das System der Selbstorganisation beginnt sich gerade erfolgreich zu verselbstständigen.
Barcamp 26. und 27. September, Viersenerstraße 16
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