Mönchengladbach: Die Falle Mini-Job
VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 22.06.2009Mönchengladbach (RPO). Die Zahl der Mini-Jobber ist in der Stadt drastisch angestiegen. Festanstellungen gibt es dafür immer weniger, und Hartz-IV-Empfänger finden nur schwer einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Der DGB rüffelt die Regierung.
Mini-Jobs
Deutschlandweit arbeiten rund 6,8 Millionen Beschäftigte im ersten Quartal 2009 als Mini-Jobber
Im gewerblichen Bereich sind es 6,6 Millionen, im Bereich der Privathaushalte 172 000 Mini-Jobber
Durchschnittsalter zwischen 30 und 55 Jahren.
Infos www.minijob-zentrale.de
Ob Ilona Fellert jemals wieder eine Festanstellung findet? Das bezweifelt die gelernte Bäckereifachverkäuferin. Seit sechs Jahren ist die 49-Jährige nun arbeitslos, verdient sich ein Zubrot mit einem Mini-Job als Küchenhilfe in einem Restaurant. Ilona Fellert ist eine von 3692 Hartz-IV-Empfängerinnen in der Stadt, die im Rahmen des Hartz-Gesetzes einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Insgesamt aber arbeiten seit dem Vorjahr 18 904 Mini-Jobber in Mönchengladbach. Innerhalb von sieben Jahren eine Steigerung von 15,8 Prozent, wie der DGB-Kreisverband festhält und von einer besorgniserregenden Zahl spricht.
Desaströse Stundenlöhne
Denn die sozialversicherten Jobs haben sich von 2001 bis 2008 von 85 468 auf 82 486 um 3,5 Prozent verringert. "Ein klarer Trend. Festanstellungen werden abgebaut, Mini-Jobs dafür eingerichtet", sagt Klaus Churt vom DGB Mittlerer Niederrhein und prangert "desaströse Stundenlöhne" an. "Der Mindestlohn liegt bei 7,50 Euro die Stunde. Doch viele Arbeitgeber zahlen Entgelte, die unter fünf Euro liegen", so Churt.
Ilona Fellert möchte über ihren Stundenlohn nicht sprechen. Nur so viel: "Ich verdiene im Monat 100 Euro und bekomme zusätzlich 351 Euro von der ARGE." Zum Leben reicht es gerade so. Die 49-Jährige hat gelernt, mit dem kleinen Einkommen auszukommen. "Und dabei hatte ich immer so sehr die Hoffnung, dass ich durch den Mini-Job zumindest wieder eine Teilzeitstelle finde, aber das ist nie passiert", sagt sie.
Karl Sasserath, Leiter des Arbeitslosenzentrums, kennt noch ein weitreichenderes Problem: Der desolate Haushalt der Stadt muss jedes Jahr 80 Millionen Euro an Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger schultern. Mit Mini-Jobs sei den Hartz-IV-Empfängern nicht geholfen, da sie kein existenzsicherndes Einkommen beziehen, aber auch nicht der Stadt. Denn die bleibt auf Ausgaben sitzen und nimmt keine Einkommenssteuern ein, so Sasserath.
Die Höchstgrenze für den monatlichen Verdienst liegt bei 400 Euro, und in der Regel müssen alle Mini-Jobber keine Abgaben zahlen, es sei denn, sie haben mehrere oder gehen einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nach. Den Hartz-IV-Empfängern wird ein Freibetrag von 100 Euro erlassen sowie 20 Prozent des Einkommens. Bei einem 400-Euro-Job bedeutet das, dass ihnen 240 Euro vom Arbeitslosengeld abgezogen werden.
Vor allem die Dienstleistungsbranchen, wie Gastronomie oder Einzelhandel, setzten verstärkt auf geringfügig Beschäftigte. Die profitieren davon, dass weniger Sozialabgaben gezahlt werden müssen; außerdem haben die Jobber keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlte Feiertage. Der DGB fordert die Bundesregierung auf, eine Zeitobergrenze von 15 Wochenarbeitsstunden einzuführen.
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