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Mönchengladbach: Die Heilige Familie in Gladbachs Ställen

VON DIETER WEBER UND INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009

Mönchengladbach (RPO). Eine Bleibe fanden Maria und Josef in einem Stall in Bethlehem. Da gebar Maria ihren Sohn Jesus. Wo kämen sie heute in Mönchengladbach unter, wenn die Krippe des Neugeborenen auch hier in einem Stall stünde? Die RP besuchte Landwirte in der Stadt und stellte die Krippenszene in fünf Tierställen nach.

"Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge."

Heute und an den Weihnachtstagen lesen Pfarrer in Gottesdiensten aus dem Lukas-Evangelium vor: Maria, die mit ihrem Mann Josef unterwegs ist, um sich zählen zu lassen und die in einem Stall in Bethlehem Jesus gebar. Wie wäre es, wenn sie heute in Mönchengladbach eine Unterkunft in einem Stall suchten? Welche Ställe erwarteten sie? Welche Umgebung fänden sie vor? Die RP schaute sich um.

Es ist lausig kalt. Hanno Klinken (53) hat schon um 5.30 Uhr in den Boxen seines Pferdehofs in Hamern nach dem Rechten gesehen. Hier werden 75 edle Vierbeiner umsorgt: Schul- und Pensionspferde, Zuchtstuten, Fohlen. Vor 40 Jahren hat er die Landwirtschaft des Vaters auf Pferdehaltung ausgerichtet. Die frühere Scheune mit Holzdecke und Pflaster-Boden beherbergt heute fünf Pferdeboxen. Es ist sauber, gepflegt, heimelig. Am Eingang sind mehrere Ballen Stroh aufgeschichtet. Fühlen sich Maria und Josef hier wohl? Sicher. Trotz eisiger Temperaturen draußen lässt es sich aushalten. Die Pferde sind ruhig. Umsorgt würde das heilige Paar auch. Klinken hat drei Mitarbeiter. Und springt jederzeit selbst ein.

Ortswechsel. Ein paar Straßen weiter ist der Hof von Bio-Bauer Reiner Brungs (50). Wir wollen mit der Krippe in den Hühnerstall. 600 Tiere sitzen leicht erhöht auf einem Rost aus Metallstäben. Darunter ist der riesige Kot-Trog. Für die Heilige Familie ist nur im Gang Platz. Auf dem Boden liegen Stroh und Streu. Maria, Josef und Jesus müssten mit Nachteilen leben: Es riecht. Es ist eng. Und die Hühner sind super-neugierig. Dafür gibt's viel zu essen. Mehr als 400 Eier legen die Tiere täglich. Es gibt einen Bauernladen und ein Café. Brungs würde mit Ehefrau Beate und Sohn und Jung-Bauer Marcus dafür sorgen, dass die junge Familie ihr Auskommen hätte. Umziehen könnte sie auch: Es gibt einen Stall für Mastrinder.

Die Heilige Familie zieht zu Bauer Walter Pflipsen nach Gerkerath. Hier stehen Kühe und Kälber. 140 sind's, und Jung-Bauer Andreas (33) lässt die Krippe in einem Stall aufstellen, in dem es einen breiten Mittelgang gibt. Die Kühe haben keine Namen, doch Pflipsen präsentiert seine Lieblinge. Die Schwarz-Bunte, die sich streicheln lässt, die Braune, die einfach nur schön ist. Riesige Kuhaugen blicken auf das Jesuskind in der Krippe. Milch gibt es reichlich, für die Pflipsen nur 26 Cent pro Liter bekommt. Die Heilige Familie würde erfahren, wie schwer es auch heute ist, mit dem Ertrag eine Familie zu unterhalten und den mehr als 100 Jahre alten Hof zu unterhalten.

Welches Schicksal einem Landwirt droht, dessen Erwerbsgrundlage eingeschränkt ist, erfahren Maria und Josef bei Johannes Küppers (63). Da lebt Schwein Rudi: Sechs Jahre alt, 250 Kilo schwer, meist träge im Stall liegend. Hektik ist hier ein Fremdwort. Es sei denn, Maria würde Rudi mit dem Besen den Rücken schrubben. Dann grunzt es wohlig. Und futtergierig blinzelt es aus den Äuglein, wenn's knistert. Als Spanferkel kam Rudi zu den Küppers' und sollte ein Jahr lang angefüttert werden. Doch schlachten wollte es niemand. Heute ist Schwein Rudi das letzte eigene Nutztier, das Bauer Küppers hat. Sohn Christian hat die Konsequenzen gezogen: Der gelernte Landwirt ist heute Berufsfeuerwehrmann.

Weg von Rudi und zur letzten Station der Herbergs-Rundreise. Zu den Ziegen Emma und Jolanda auf der Mon-Ro-Ranch in Merreter. Das ist der Gnadenhof von Monika und Roman Kremers. Hier leben Tiere, die niemand haben wollte. So wie die Ziegen im dunkelbraunen Holzstall, der mit viel Stroh ausgelegt ist. Ein Paradies – gemütlich und windgeschützt. Und prägend für Jesus, der auf diesem Hof erlebt, wie fürsorglich Tiere bis zu ihrem Tod gepflegt werden.

Quelle: RP

 
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