Mönchengladbach: Die Hitliste der Schlaglöcher
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 04.09.2008Mönchengladbach (RPO). Welche maroden Straßen am dringendsten saniert werden müssen, soll eine Prioritätenliste festlegen. Um diese zu erstellen, hat die Stadtverwaltung das gesamte Wegenetz untersucht. Das war längst überfällig, kritisiert die FWG.
Bröselnder Asphalt, klodeckelgroße Löcher und freier Blick auf altes Kopfsteinpflaster – solchen Schäden auf Mönchengladbachs Straßen will die Stadt nun systematisch zu Leibe rücken. Mit Hilfe von tragbaren Computern haben Kontrolleure den Zustand von 950 Kilometern städtischer Straßen erfasst. Mit dem Auswerten der Daten sind die Mannen des städtischen Fachbereichs Ingenieurbüro und Baubetrieb noch beschäftigt. Ergebnis soll eine Dringlichkeitsliste sein, nach der marode Straßen künftig saniert werden sollen.
Eine solche Liste, sagt die Stadt, soll wegführen von Sanierungsaktionen nach dem „Gießkannenprinzip“. Erich Oberem von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) nennt den bisherigen Modus lieber „Gutdünkenverwaltung und Gutdünkenpolitik“. Bislang, kritisiertOberem, entscheiden die Politiker in den Bezirksvertretungen über Straßensanierungen in ihren Sprengeln ohne von der Verwaltung eine genaue Übersicht über Schäden und Sanierungskosten zu bekommen.
Was Straßen wert sind
Hindenburgstraße Ein Quadratmeter dieser mit teurem Pflaster bedeckten Fußgängerzone hat einen Neuwert von 325 Euro.
Aachener Straße Ein Quadratmeter dieser wichtigen Einfahrt in die Stadt ist dagegen nur 125 Euro wert.
„Das ist politisches Kalkül der Mehrheit von CDU und FDP. Die wollen in der Hand behalten, wo die wenigen Mittel ausgegeben werden, um ihre Klientel zu befriedigen“, wettert Oberem. Bereits in der vorigen Wahlperiode habe die FWG einen Straßenzustandsbericht für die gesamte Stadt gefordert. Seitdem sei er immer vertröstet und über den Stand der Arbeiten an dem Bericht belogen worden.
Die nun mit Computer-Hilfe gesammelten Daten sagen, wo eine Straße beschädigt ist, ob es sich etwa um Spurrillen, Schlaglöcher oder Risse handelt und was nötig ist, den Schlamassel zu reparieren. Zugleich verraten sie, was Mönchengladbachs Straßen im momentanen Zustand wert sind: 464 Millionen Euro. Das ist der so genannte Zeitwert. Wollte die Stadt sämtliche Straßen neu bauen, müsste Kämmerer Bernd Kuckels 815 Millionen Euro hinblättern.
„Der Zeitwert ist für uns von großer Bedeutung. Den müssen wir als Vermögen der Stadt in unsere Bilanz schreiben“, sagt Tim Thivessen aus der Kämmerei. Denn am 1. Januar muss die Kommune eine Eröffnungsbilanz nach einer neuen, gesetzlich vorgeschriebenen Buchführung präsentieren. Da Straßen nicht zum Verkauf stehen, sind die 464 Millionen aber vor allem von buchhalterischem Interesse.
So verhält es sich auch mit den 22 Millionen Euro, welche die Stadt jährlich in Straßensanierungen investieren müsste, wollte sie den Zeitwert des Netzes erhalten. „Das ist der Abschreibungswert“, sagt Thivessen. Und der basiert auf der Annahme, dass eine Straße im Schnitt 45 Jahre lang hält, bis sie komplett erneuert werden muss. Über den akuten Sanierungsbedarf sagen die 22 Millionen nichts.
Wie weit die Stadt von diesem rechnerischen Betrag entfernt ist, zeigt diese Zahl: 2008 sind 1,6 Millionen Euro für den Unterhalt aller Straßen veranschlagt– fast eine Million davon für Gemeindestraßen.
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