Mönchengladbach: Die Horror-Mieter
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.02.2009Mönchengladbach (RPO). Sie sind laut, zahlen nicht, nehmen keine Rücksicht und zerstören. Die Zahl der Mieter, die zum Albtraum für Eigentümer werden, nimmt zu. Aus Angst vor Ärger und großen Schäden bleiben einige Wohnungen jetzt leer.
Mieter verschwunden?
Adressenermittlung Wenn Mieter eine zerstörte Wohnung, aber keine Adresse hinterlassen, kann der Eigentümer beim Einwohnermeldeamt die neue Anschrift erfragen. Wie Haus und Grund mitteilt, hat der Vermieter für diese Auskunft ein "berechtigtes Interesse". Die Stadt müsse diese Frage beantworten.
Kontakt Haus- und Grundbesitzerverein Mönchengladbach, Humboldtstraße 66, Tel. 02161 567070, Fax 02161 5670717
Hauseigentümer Hans K.* schwante schon Böses, als niemand zum vereinbarten Termin erschien. Der Mieter war mit seiner Familie ausgezogen, jetzt sollte die Odenkirchener Wohnung im obersten Stock gemeinsam abgenommen werden. Doch stattdessen hing ein Zettel im Flur: "Schlüssel liegt im Briefkasten." Von der Familie keine Spur.
Wenig später folgte der Schock für Hans K.: In der Wohnung waren die Türen aus den Angeln getreten. Die Wände im Kinderzimmer wiesen faustgroße Löcher auf. Deckenstrahler und Lichtschalter waren zerstört. Auf dem Teppich im Wohnzimmer hatte sich jemand übergeben. Und überall in der Wohnung lag Müll.
Madenkolonien im Abfall
"So etwas hat selbst die Sanierungsfirma noch nicht gesehen, die ich beauftragt habe", erzählt K. Von den Verursachern der Schäden hörte Hans K. bis heute nichts mehr. Ihre neue Adresse hatte die Familie nicht hinterlassen. Die Schäden muss der Hauseigentümer wohl selbst tragen. Anzeige will er aber auf jeden Fall erstatten.
Dabei hatte Hans K. vor anderthalb Jahren gedacht, eine ganz normale Familie ziehe in seine Mietwohnung. Doch wenig später begann der Ärger: nächtliche Schreie, lautes Geschimpfe und Gestampfe. Die übrigen Mieter hielten es nicht mehr aus. "Wir mussten ja morgens früh zur Arbeit", erzählt einer. Auf Beschwerden folgten Abmahnungen und dann die Kündigung. Jetzt muss Hans K. die Wohnung, die 2007 schon grundsaniert wurde, erneut renovieren.
Die Fälle, in denen Eigentümer extrem schlechte Erfahrungen mit ihren Mietern machen, nehmen zu, sagt Rudolf Dahmen von der Kanzlei Korn, Voigtsberger und Partner. Er muss es wissen. Denn Dahmen ist seit 20 Jahren Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. "Es ist schlimmer und vor allen Dingen härter geworden", sagt er. Mietnomaden, Räumungsklagen, zerstörte Wohnungen, Müll, in dem sich schon Madenkolonien gebildet haben – "das gehört für uns schon fast zum Alltag", berichtet der Rechtsanwalt. Die Menschen seien streitbarer geworden, und bei einigen mangele es auch an Moral und dem Selbstverständnis, dass man sich an Verträge hält. Dass Mieter aus Rache und Wut auf den Eigentümer Waschbecken von der Wand treten oder Kabel aus der Wand reißen, komme immer häufiger vor. Manchmal treibt der Streit unter Gladbachs Mietdächern auch seltene Blüten: Da gehen sich Mieter und Vermieter an die Gurgel oder mischt der eine der Katze des anderen Drogen unters Futter. Auch das hat Dahmen schon erlebt.
Beim Immobilienmakler Obrock gibt es selten Ärger. "Die meisten Mieter sind gute Mieter, aber natürlich hören auch wir immer mehr von Extremfällen, in denen die Miete unregelmäßig oder gar nicht gezahlt wird", sagt Timo Schmitz. Das Phänomen ist auch beim Haus- und Grundbesitzerverein bekannt: "Wir haben auch schon einige Mitglieder, die gesagt haben: Jetzt ist Schluss, wir vermieten nicht mehr." * Name ist der Redaktion bekannt
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