Mönchengladbach: Die Königin der Operetten
VON CHRISTINE LAUTER - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012Mönchengladbach (RP). Am Samstag hat der Evergreen der leichten Muse, "Die Fledermaus" von Johann Strauß, Premiere im Theater. Worauf es ihnen bei der Inszenierung ankommt, erläutern Reinhardt Friese (Regie), Kapellmeister Andreas Fellner und Kostümbildnerin Annette Mahlendorf.
"Die Doppeldeutigkeit der Figuren muss man ernst nehmen, denn sie agieren permanent auf Leben und Tod." So fasst Reinhardt Friese seine Regiearbeit zu Johann Strauß' Operette "Die Fledermaus" zusammen. Daher brauche es keinen Tabubruch, aber auch keine völlige Konventionalität. Vielmehr lege er besonderen Wert auf die Dialogarbeit, in der eine gewisse Schnelligkeit, eine "Komödienmechanik" mit den Sängern erarbeitet werden musste. Als auch am Theater Krefeld und Mönchengladbach bewährter Spezialist für das Heitere (so für "Die Comedian Harmonists", "Der Vetter aus Dingsda" und "Kiss me, Kate!") hat Reinhardt Friese sich sehr darüber gefreut, dass man ihm für seine erste Inszenierung unter der neuen Theaterleitung gerade die "Königin der Operetten" anvertraute.
Die Fledermaus
Komponist Johann Strauß Sohn
Musikalische Leitung Andreas Fellner
Inszenierung Reinhardt Friese
Bühne Günter Hellweg
Kostüme Annette Mahlendorf
Choreografie Robert North
Premiere 25. Februar, 20 Uhr (ausverkauft)
Weitere Vorstellungen 28. Februar; 9. März; 9. April; 23., 25. Mai; 14., 16., 28. Juni; 7. Juli
Karten Tel. 02166 6151-100
Dem Walzerschwung nachspüren
Ähnlich groß muss die Freude beim Kapellmeister Andreas Fellner gewesen sein, mit der musikalischen Leitung der "Fledermaus" betraut zu werden: "Es ist eine der besten Partituren überhaupt, mit einer raffinierten Instrumentation", sagt Fellner. Die Arbeit mit den Sängern, gerade auch mit den Niederrheinischen Sinfonikern, sei hervorragend, doch bringe es nichts, das Wienerische zu theoretisieren. Vielmehr spüre er bei den Proben dem Walzerschwung und der musikalischen Komik nach, wodurch sich jenes spezifisch wienerische Element schnell eingestellt habe. Gerade der Humor in Strauß' Komposition finde sich auch auf der Bühne, lobt Andreas Fellner die Zusammenarbeit mit Reinhardt Friese: "Alles ist sehr musikalisch gedacht und inszeniert, es ist schön, das, was man beispielsweise im Uhren-Duett hört, auch zu sehen."
Zu sehen gibt es mit der "Fledermaus" aber auch ein regelrechtes Ausstattungstheater. Die zahlreichen Kostüme von Annette Mahlendorf gehören in die Zeit um das Jahr 1920. Und dass es auch im Bühnenbild von Günter Hellweg keinen rot-goldenen Belle-Époque-Plüsch wolle, war dem Regieteam schnell klar. Die allgegenwärtige Champagnerseligkeit der Fledermaus-Personnage war daher ausschlaggebend für ein flaschengrünes Interieur, welches auch das Rauschhaft-Berauschte widerspiegelt.
Nach den obligatorischen Schauplätzen Salon und Ballsaal gibt es im dritten Akt ein eher abstraktes Gefängnis, einen in Auflösung begriffenen Raum, der die allgemeine Katerstimmung aufgreift. "Durch das Abmontieren verschiedener Elemente spinnt der Raum die Verfassung der sich in ihm befindenden Personen weiter", erklärt Friese dieses Prinzip. Hier hat dann auch die heimliche Lieblingsfigur der Fledermaus-Fans ihren Einsatz, der Gefängnisdiener Frosch. Das Mönchengladbacher Publikum darf sich auf eine angemessene Besetzung freuen, denn Generalintendant Michael Grosse selbst übernimmt die beliebte Partie.
Die Premiere ist bereits ausverkauft, für die Vorstellungen bis Ende März sind nur noch Restkarten zu haben. Weitere Termine folgen bis zum Spielzeitende; die Wiederaufnahme erfolgt im Dezember.
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