Serie: Wie geht eigentlich..?: Die Masche für die Mütze
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 12.01.2012Mönchengladbach (RP). Seit 78 Jahren strickt Wilhelmine Holten Socken, Schals, Pullover – und immer wieder modische Mützen. Wer Grundkenntnisse im Stricken hat, kann nach ihren Anleitungen seine eigene Kopfbedeckung kreieren.
Wilhelmine Holten (84) greift nach der Rundstricknadel und dem roten Wollknäuel. Sie fängt an zu erzählen, wie sie als Sechsjährige stricken gelernt hat. Sie spricht darüber, was sie schon so alles für die Gruppe "Strickmäuse" gefertigt hat, die zugunsten des Kinderschutzbundes Selbstgemachtes verkaufen. Und sie erklärt, wie eine Mütze entsteht. Ganz nebenbei verwandelt sich der rote Faden an der Rundstricknadel in Windeseile zu einem Bündchen.
"Eine Mütze zu stricken ist einfach", sagt Wilhelmine Holten. "Das können auch Anfänger." Doch dann irgendwann, während sie versucht, Stricktechniken zu erklären, räumt sie ein: "Vielleicht sollten Anfänger doch besser erst etwas Einfacheres stricken. Einen Schal, zum Beispiel, der nur aus einer Sorte Maschen besteht". Wer sich an die Mütze wagt, sollte wissen, wie Maschen entstehen, was Anschlagen und Abnehmen bedeutet.
Material: "Am besten nimmt man Strumpfwolle oder eine andere Wolle, die wenig filzt", rät Wilhelmine Holten. Für eine Mütze braucht sie etwa eineinhalb Knäuel - je nachdem, wie dick die Wolle ist. Sie strickt erst mit einer Rundnadel, später braucht sie vier kurze gerade Nadeln. Am Schluss nimmt sie eine Sticknadel, um das letzte Fadenstück zu vernähen.
Anschlagen: 80 Maschen nimmt die 84-Jährige auf die Rundnadel auf. Sie will jetzt eine Mütze für einen Erwachsenen stricken. "Man kann auch mit dem Zentimetermaß einmal um den Kopf herum messen und dann ein etwa so langes Stück stricken", sagt sie. Bündchen und Mittelteil: Als die Maschen aufgenommen sind, strickt Wilhelmine Holten das Bündchen nach dem Schema zwei Maschen Links, zwei Rechts. Das macht sie, bis das Wollstück etwa sieben Zentimeter hoch ist. Wer möchte, strickt die Mütze komplett mit diesem Muster. Ansonsten folgt nach den sieben Zentimetern ein Wechsel: Von nun an wird etwa 25 Zentimeter hoch nur glatt Rechts gestrickt.
Abnehmen: Damit die Mütze nach oben hin enger wird, müssen Maschen abgenommen werden. "Bevor ich das mache, verteile ich die 80 Maschen auf vier Nadeln", sagt Wilhelmine Holten. Auf jeder landen dann 20 Maschen. In einer Reihe nimmt Wilhelmine Holten jede dritte oder vierte Masche ab - je nachdem, wie eng die Mütze später nach oben hin zusammenlaufen soll.
Dann strickt sie erst wieder vier Reihen glatt Rechts, bevor sie in einer Reihe Maschen abnimmt. Es folgen zwei Reihen glatt Rechts und eine Reihe, in der jede zweite Masche abgenommen wird.
Vernähen: "Die letzten Maschen werden mit einer Sticknadel durchzogen. Der Faden wird vernäht", erklärt die 84-Jährige. Dann ist die Mütze fertig. Wenn nicht alles auf Anhieb klappt, müsse man eben zwischendurch mal ein Stück wieder aufribbeln, sagt Wilhelmine Holten. "Das kommt bei mir auch noch ab und zu vor."
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