Mönchengladbach: Die Milch wird knapp
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 05.06.2008Mönchengladbach (RPO). Die Milch-Regale mancher Geschäfte sind nur noch spärlich bestückt. Doch die streikenden Landwirte in der Stadt wollen durchhalten – trotz täglicher Verluste. Aber nicht alle Milchbauern machen beim Lieferboykott mit.
Engpässe bei der Milchlieferung gibt es auch in Mönchengladbachs Lebensmittelläden. „Wir haben leere Regale. Speziell von der Milchunion Hocheifel bekommen wir momentan gar nichts“, sagt Karsten Grundmann vom Rewe-Markt de Witt. Auch Milch der Eigenmarke ist kaum lieferbar, dafür sieht’s bei H-Milch noch gut aus. Einen Engpass an der haltbaren Variante verzeichnet hingegen Stefan Reckmann, Inhaber eines Edeka-Marktes. „Wie es in den nächsten Tagen aussieht, können wir schlecht abschätzen. Aber mit jedem Tag, den der Streik dauert, wird die Milch knapper“, sagt er. Im Stadtgebiet gibt es zehn Milchbauern, die sich zum Teil an den Streiks beteiligen und ihre Milch wegschütten. Das ist keine leichte Entscheidung für die Landwirte, zumal sie dadurch täglich wirtschaftliche Einbußen haben. „Die Stimmung ist sehr aufgeheizt“, sagt Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft.
Kaum Engpässe
Bio-Milch Bei „Denn’s“ Biosupermarkt gibt es keine Probleme. „Im Bio-Bereich sieht es gut aus, bisher haben nur die Kollegen mit konventioneller Milch Engpässe“, sagt Filialleiter Thomas Siegersma.
Einzelfälle Die Versorgungslage sei nach wie vor gut, zeitweise seien lediglich einige Sorten Milch nicht mehr verfügbar, heißt es bei Real. „Aber das sind Einzelfälle“, so eine Sprecherin.
„Wir brauchen vernünftige Preise“
Seit gut einer Woche streiken die Milchbauern und liefern keinen Nachschub mehr. Sie blockieren Molkereien oder demonstrieren vor großen Lebensmittel-Discountern. Der Grund: der Preis, den die Abnehmer für einen Liter Milch zahlen, ist wieder auf rund 30 Cent gesunken. Die Bauern argumentieren, dass sie bei diesem Betrag noch nicht einmal kostendeckend produzieren können. Sie fordern deshalb 43 Cent. Der Streik soll nun den Druck auf Molkereien und Handel erhöhen, sich auf diesen Preis einzulassen.
Auch Landwirt Michael Brungs ist „noch voll dabei und optimistisch.“ Er und seine Kollegen, die beim Streik mitmachen, wollen durchhalten. „Wenn wir jetzt aufgeben, hätten wir verloren. Wir brauchen vernünftige Preise“, sagt der Bauer. Viele Kunden in seinem Hofladen hätten Verständnis für den Protest der Milchbauern. „Nicht nur viele Bürger, auch die Kirchen und Minister sagen, dass sich etwas ändern muss“, sagt Brungs. So sieht es auch sein Kollege Andreas Pflipsen. Doch die Nerven bei vielen Landwirten liegen inzwischen blank. „Die Solidarität unter den Kollegen ist schwierig. Aber wenn alle zusammenhalten, können wir etwas erreichen. Die Bereitschaft zu Preisverhandlungen ist jetzt ja da“, sagt Pflipsen. Vier Tage schüttete auch er die Milch in den Ausguss. Doch der Zwiespalt, in dem viele Milchbauern stecken, macht sich auch in seinem elterlichen Betrieb bemerkbar. Der 32-Jährige hätte weiter gestreikt. Doch sein Vater, Chef auf dem Hof, entschied, wieder zu liefern.
„Ein Teil der Betriebe, die nicht mitmachen, hat auch gute Gründe dafür. Viele haben Existenzängste“, zeigt Wappenschmidt Verständnis. Das haben manche der Streikenden, die zurzeit hohe Verluste in Kauf nehmen, nicht. Denn schließlich würden später alle Bauern von besseren Preisen profitieren – auch die, die kein Risiko eingegangen sind.
Durch die Branche der Milchbauern geht ein Riss. „Ich hoffe, dass der Riss nicht so stark ist, dass er später nicht wieder gekittet werden kann“, sagt Wappenschmidt.
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