Mönchengladbach: Die Motive für den Veilchendienstagszug
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 01.02.2010 - 18:03Mönchengladbach (RPO). Wenn Bernd Gothe derzeit aus dem Fenster schaut, wird dem Präsidenten des Mönchengladbacher Karnevalsverbands (MKV) durchaus ein wenig mulmig zumute. „Der Veilchendienstagszug ist noch nie wegen Schnee ausgefallen, und das wird auch so bleiben”, sagt Gothe dennoch bestimmt.
Wie 1985, als es zuletzt aufgrund von starkem und anhaltendem Schneefall brenzlig wurde, habe man einen Notfallplan in der Tasche. Schneepflüge würden im Fall des Falles vor dem Zoch die Straßen reinigen, insbesondere die Anstiege an der Aachener Straße und der Hindenburgstraße. „Organisationsprobleme könnte es eigentlich nur bei Glatteis geben oder wenn der Aufstellplatz voller Schnee liegt”, sagt Gothe.
Politik auf die Schippe nehmen
Für mehr Furore als die Witterung dürften so oder so die sechs Mottowagen sorgen. Denn sie greifen in diesem Jahr erstmals politische Motive auf Vorbilder waren Düsseldorf und Köln. Kommunal- und Bundespolitik werden dabei auf die Schippe genommen. Der Wagen der KG Rot-Weiß Dorfbroich beispielsweise steht unter dem Motto „Guido, das ist nichts für dich”. Er zeigt Außenminister Westerwelle auf einem Flugzeug sitzend, wie er nach dem üppigen Ausschnitt von Kanzlerin Angela Merkel giert, den diese 2008 zur Eröffnung der Nationaloper in Oslo zur Schau stellte.
Die KG Schwarz-Weiß Odenkirchen wiederum hat der schildkrötenlahmen Mönchengladbacher Lokalpolitik kurzerhand einen neuen Kopf aufgeschraubt die „Ampel” der rot-gelb-grünen Koalition. In die große Weltpolitik hingegen wagt sich die KG Rot-Grün Uedding - mit einem derzeit noch geheimen Motiv, das erst kurz vor Karneval gelüftet werden soll. Nur so viel: Öffentlichkeitswirksam ist der Wagen allemal.
Was die Zahlen angeht, schrumpft der Zoch im Vergleich zum Rekord-Jahr leicht 2009. Mit 4000 Personen sind rund 200 weniger am Veilchendienstagszug beteiligt, es gibt weniger Festwagen (71 statt 79) und mit 56 auch deutlich weniger Fußgruppen als im Vorjahr. „Der Zoch hat jetzt eine gesunde Länge”, sagt Zugleiter Elmar Eßer. „Letztes Jahr biss er sich am Ende fast in den Schwanz.” Die Zugstrecke bleibt indes unverändert.
Wie schon im Vorjahr ist die Eickener Straße ausgeklammert. Oberstes Gebot für die Veranstalter des 400 000 Euro teuren Zugs sei es, eine qualitativ hochwertige Veranstaltung auf die Beine zu stellen, sagt Gothe. „Wenn die Leute sich am Wochenende etwa in Brüggen ihren Zug anschauen und am Montag nach Köln oder Düsseldorf fahren, dann müssen wir Dienstag schon etwas bieten, um sie noch einmal hinterm Ofen hervorzulocken.”
Da am Dienstag viele auch viele Musiker schon wieder arbeiten müssen, werden auch in diesem Jahr rund 15 der 32 Musikkapellen aus den Niederlanden kommen. „Wir drängen darauf, dass sie ein bisschen mehr Karnevalsmusik spielen als zuletzt”, sagt Gothe.
Rund um den Zoch werden erstmals 40 MKV-Helfer mit Spardosen mit Clownsmaske einen „Zuggroschen” einsammeln. Im Vorfeld bei Sitzungen seien auf diese Weise bereits 10 000 Euro zusammengekommen, so Gothe. Überregionale Fernsehsender seien bereits vorstellig geworden, um über die deutschlandweit bisher einmalige Idee zu berichten: „Vielleicht werden wir ja Vorreiter für andere.”
Wer den Zug aus nächster Nähe von einem gesicherten Sitzplatz an der Hindenburgstraße aus verfolgen möchte, hat dazu in diesem Jahr mehr Auswahl als im Vorjahr. Die Zahl der Tribünen wird von zwei auf drei aufgestockt, insgesamt gibt es nun 360 Sitzplätze. Die Karten kosten 16 Euro, weitere Informationen dazu gibt es Internet unter www.zugleitung.de oder unter 02161 540192.
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