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Mönchengladbach: Die Nachbarn von Haus UR

VON BIRTHE ROSENAU - zuletzt aktualisiert: 23.04.2008 - 10:51

Mönchengladbach (RPO). Der Künstler Gregor Schneider will einen Sterbenden ausstellen - vielleicht in Rheydt an der Unterheydener Straße. Sein Elternhaus nutzt der Rheydter schon lange als Experimentierfeld für seine Kunst. Von außen wirkt das Haus düster, unbewohnt und unscheinbar.

Künstler Gregor Schneider plant im "Haus UR" an der Unterheydener Straße 12 eventuell eine neue Ausstellung. Die Idee stößt auf große Kritik.  Foto: Isabella Raupold
Künstler Gregor Schneider plant im "Haus UR" an der Unterheydener Straße 12 eventuell eine neue Ausstellung. Die Idee stößt auf große Kritik. Foto: Isabella Raupold

Eine alte Kastanie ragt majestätisch über die mit Efeu bewachsene Hofmauer. Gleich daneben streckt auch eine kleine Buche ihre ersten zart-grünen Zweige über das Gemäuer. Rechts daneben steht ein gepflegtes Haus, der Fassadenanstrich tadellos. Links neben der Kastanie befindet sich das „Tote Haus UR“, das Elternhaus des Rheydter Künstlers Gregor Schneider, das auch schon als Museum diente.

Die Fassade ist schmutzig-beige, der Putz bröckelt. In den oberen beiden Etagen hängen vergilbte Gardinen. Durch die unteren Fenster ist der Blick ins Innere frei: Zwei schlichte Deckenlampen, eine weiße Raufasertapete - weiter nichts. „Für uns ist das Haus ein ziemlicher Schandfleck“, sagt eine Nachbarin. „Aber vielleicht ist das ja auch einfach seine Einstellung - dieses Morbide liegt ihm ja.“

Derzeit erregt der Besitzer des Hauses mit einem neuen Projekt Aufsehen: Er möchte eine Kunst-Performance mit einem Sterbenden oder Toten machen, um die „Schönheit des Todes“ zu zeigen. Einen Ort für die inzwischen öffentlich scharf kritisierte Aktion hat Schneider bisher nicht gefunden - und bringt daher auch sein eigenes „Haus UR“ in der Unterheydener Straße 12 ins Gespräch.

Für die meisten seiner Nachbarn ist Gregor Schneider ein Unbekannter. „Ich habe dort noch nie jemanden gesehen“, erzählt Miriam Rupp (23). Sie wohnt schräg gegenüber und hat sich schon oft gefragt, ob das Haus überhaupt noch jemandem gehört. Eine andere Nachbarin sagt, das Gebäude sei „schon ewig so verkommen“.

Ein Hausmeister fischt gerade aus den drei Briefkastenschlitzen der Hausnummer 12 die Werbeprospekte. „Suchen Sie die Leichen?“, fragt er die neugierigen Passanten. „Die liegen hier im Keller.“ Mit einem Lachen wendet er sich ab. Gleich nebenan muss er seine Arbeit weiter fortsetzen, die beiden Brüder des Künstlers sind seine Arbeitgeber. Ihre Firma grenzt an das „Haus UR“. Zu der Kunst des Bruders will sich hier niemand äußern. Das Rolltor der Firma ist extra geschlossen, damit sich niemand von dieser Seite dem Haus nähert.

Gegenüber auf dem Heydener Markt bleibt eine Frau mit Fahrrad in der Sonne stehen. Sie wartet nach der Schule auf ihr Tageskind. „Das macht von außen nicht viel her“, sagt sie mit einer Kopfbewegung in Richtung andere Straßenseite. Auch wenn „solche Art von Kunst“ nicht ihr „Ding“ seien: von innen würde sie das Haus schon gerne einmal sehen. „Es ist schade, dass ein so verwahrlostes Haus hier steht, wo doch die ganze Gegend sonst so schön saniert ist“, klagt sie.

Nachbar Norbert Haaf (49) stört das wenig: „Jeder kann doch so leben, wie er will.“ Der Künstler Schneider sei „ein ganz normaler Mensch“, der „ab und an“ mal da sei. „Was da im Haus passiert, das bekommt man als Nachbar gar nicht mit“, sagt Haaf. Was er zu dem geplanten Projekt von Gregor Schneider sage? „Als damals Gunther von Hagens Körper in Scheiben geschnitten hat, ahnte auch niemand, dass es so gut ankommen würde.“ Es müsse sich nur jemand finden, der mitmache. Doch für Geld sei schließlich alles möglich.

„Warum er einen Sterbenden so zur Schau stellen will, ist mir unbegreiflich“, sagt hingegen die direkte Nachbarin, „der Tod ist etwas Persönliches“. Ihr Mann befürchtet, eine solche Performance würde einen Menschenauflauf mit sich bringen. Beide sind sicher: „An dem Tag würden wir wegfahren.“

Quelle: RP

 
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