Mönchengladbach: Die Not mit der Notdurft
VON BRITTA KRAUSS - zuletzt aktualisiert: 05.03.2009 - 12:03Mönchengladbach (RPO). Der Ärger um öffentliche Toiletten geht weiter: Die WC-Anlagen sauber zu halten, macht große Probleme und kostet viel. Bürger klagen darüber, dass es zu wenig stille Örtchen gibt - zumal sie nicht immer offen sind.
Öffentliche Toiletten
Kapuzinerplatz, Markt Rheindahlen, Stadtwald und Pongser Kamp (außer im Winter ganztägig geöffnet), Volksgarten (geöffn. bei Veranstaltungen), Eicken (geöffn. zum Markt)
Seit Jahren besuchen Kurt Schmitter (73) und seine Frau Christel (66) den Veilchendienstagszug. Nur hatte das Ehepaar aus Brüggen diesmal ein Problem. Eines, das eigentlich gar keines sein sollte: Christel Schmitter musste auf die Toilette. Von ihrem Zuschauerplatz auf der Hindenburgstraße machte sich Kurt Schmitter mit seiner im Rollstuhl sitzenden Frau auf zum Vitus-Center. Doch das Einkaufszentrum war geschlossen. Weiter ging es im Karnevalsgetümmel zum Bahnhof, dann an den Busbahnhof. Jedes Mal standen die Schmitters vor verschlossenen Türen. Schließlich sahen sie sich gezwungen, in ein überfülltes Restaurant zu gehen. "Das war eine Katastrophe", sagt Kurt Schmitter. Er ärgert sich über die mangelnde Zahl öffentlicher Toiletten, besonders beim Veilchendienstagszug mit 350 000 Besuchern. "Man wird alleine gelassen", findet der 73-Jährige.
Wolfgang Oertel vom Mönchengladbacher Karnevals-Verband, sieht keinen zusätzlichen WC-Bedarf. Er verweist auf die städtischen Einrichtungen und die Toiletten in Gaststätten, die gegen ein Entgelt genutzt werden könnten. An zwei Tribünen stünden außerdem Toilettenwagen. "Beschwerden sind mir zuvor noch nie zu Ohren gekommen", sagt er. Die Deutsche Bahn weiß um die Problematik der fehlenden Toiletten an kleineren Bahnhöfen wie in Gladbach. Doch der finanzielle Aufwand sei aufgrund von Vandalismus und dem großen Reinigungsaufwand zu groß. Nur auf größeren Umsteigebahnhöfen lässt das Unternehmen WC-Anlagen von Pächtern betreiben.
Die Stadt selbst unterhält derzeit sechs kostenlose öffentliche Bedürfnisanstalten. Nur ein Teil der Anlagen ist behindertengerecht. Darüber hinaus werden fünf WC-Anlagen durch die Deutsche Städte-Medien GmbH (DSM) betrieben. Die Stadt stellt der DSM im Gegenzug Werbeflächen zur Verfügung. Rund 65 000 Euro wendet die Stadt jährlich für Reinigung und Instandhaltung der Anlagen auf. Die Probleme sind immer die gleichen: Vandalismus, Graffitis, Verunreinigung und herumliegende Spritzen von Drogenabhängigen. Besonders in der WC-Anlage am Rheydter Marktplatz kam es in der Vergangenheit häufig zu Problemen. Vor knapp vier Jahren hatte das Reinigungsunternehmen aufgrund der ständigen starken Verschmutzung fristlos gekündigt. Die NVV hat bei ihrer Toilette am Europaplatz ähnliche Erfahrungen gemacht. Dreimal am Tag wird dort gereinigt. Um dem Drogenkonsum entgegenzuwirken, überlegt man nach Angaben einer Sprecherin nun sogar, Schwarzlicht zu installieren, damit die Süchtigen ihre Venen nicht finden. Die NVV bedauert die Odyssee der Schmitters. Eigentlich sei die Toilette am Busbahnhof zu Karneval nutzbar gewesen, wie immer, wenn die Möbus-Verkaufsstelle geöffnet ist. In Ausnahmesituationen schlössen die Mitarbeiter die Anlage ab. "Dann muss man sich den Schlüssel bei den Mitarbeitern holen", sagt die Sprecherin.
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